In China scheint es wieder rund zu laufen. Der Außenhandel zieht an, die Investitionen steigen, der Konsum boomt. Nach Jahren der Unsicherheit ist die zweitgrößte Volkswirtschaft mit einem Wachstum von 6,9 Prozent im ersten Halbjahr 2017 auf dem bestem Wege, selbst das Wachstumsziel der chinesischen Regierung zu übertreffen, dass diese sich zu Beginn des Jahres noch selbst gesetzt hatte. Chinas Premier Li Keqiang hatte im März noch ein Ziel von rund 6,5 Prozent für das gesamte Jahr vorgegeben. "Chinas Wirtschaft ist stabiler, koordinierter und nachhaltiger als wir erwartet haben", heißt es nun in einer Stellungnahme des Nationalen Statistikamtes.

Ökonomen waren von einer leichten Abkühlung auf 6,8 Prozent ausgegangen, nachdem die chinesische Wirtschaft bereits im vergangenen Jahr so langsam gewachsen war wie seit 26 Jahren nicht. Nun zeigen auch andere Konjunkturdaten, dass es um die chinesische Wirtschaft besser dasteht. Sie investierte 8,6 Prozent mehr Geld in Maschinen und Fabriken, der Einzelhandel steigerte seinen Umsatz um 10,4 Prozent. Vor allem der Außenhandel wächst kräftig: Die Exporte legten im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent zu. "Momentan sehen alle Daten gut aus", sagt der Pekinger Ökonom Huang Weiping.

Doch gibt es wirklich Grund zum Jubeln? Nicht wirklich. Denn die großen Probleme werden auch weiterhin nicht angegangen. Und das betrifft vor allem die hohen Schulden.

Schon seit Jahren stützt die Regierung die Konjunktur mit öffentlichen Bauprojekten, hoher Kreditvergabe und üppiger Förderung für Zukunftstechnologien. Das hält das Wachstum zwar aufrecht, ist aber teuer erkauft. 

Chinas Kreditwürdigkeit wurde erstmals gesenkt

Auf 277 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung summiert sich Chinas Gesamtverschuldung inzwischen, wobei der Großteil auf die zumeist staatseigenen Unternehmen geht. Die Schuldenquote der Privathaushalte und des Staates an sich fallen eher gering aus. Dennoch hatte im Mai die US-Ratingagentur Moody's Chinas Kreditwürdigkeit erstmals seit über zehn Jahren um eine Stufe gesenkt. Die Schulden seien "ohne jeden Zweifel die aktuell größte Herausforderung für die Wirtschaft", bemerkte auch der China-Experte Brian Jackson vom Beratungsunternehmen IHS Global Insight.

Eine Schuldenkrise vergleichbar mit Südeuropa 2010 droht der Volksrepublik zwar nicht. Denn im Ausland ist China nur gering verschuldet. Zudem verfügt das Land über gigantische Devisenreserven. Im Zweifel bürgt der Staat für die meisten seiner Unternehmen und Banken. Unter dieser allzu großzügigen Kreditvergabe leidet dann vor allem die Effizienz. 

Der gerade besonders große Wachstumstreiber ist der Immobiliensektor. Die Preise am Hausmarkt sind gleichzeitig komplett überhitzt. In den meisten chinesischen Großstädten sind Immobilien inzwischen nur noch für absurd hohe Preise zu erhalten. Peking ist das Problem durchaus bewusst. Die Zentralregierung versucht auf der einen Seite, das Angebot an Krediten zu verringern, um Spekulationen auf Pump einzudämmen. Auf der anderen Seite sind es aber ausgerechnet die Lokalregierungen und die Staatsbanken, die allesamt weiter auf steigende Immobilienpreise setzen, um die Konjunktur am Laufen zu halten.

Auch die Staatsunternehmen werden von den Staatsbanken mit immer neuen Billigkrediten gepäppelt. Die Betriebe produzieren dann oft Waren, die niemand braucht. Das hat längst Auswirkungen auf den Rest der Welt. So hat die chinesische Stahlindustrie mit 73,2 Millionen Tonnen im Juni so viel produziert wie noch nie.