Neben den Krankheiten verursache der Tabak noch erheblichen anderen Schaden, kritisieren Nicht-Regierungsorganisationen wie Unfair Tobacco. Der Tabakanbau belege rund vier Milliarden Hektar Ackerland weltweit. Allein in Afrika seien die Anbauflächen seit 2006 um 66 Prozent gewachsen und blockierten Flächen, die gerade in den trockenen Staaten südlich der Sahara dringend für die Nahrungsmittelproduktion gebraucht würde. In Malawi beispielsweise gilt jedes zweite Kind als unterernährt – doch ausgerechnet Malawi ist einer der größten Tabakanbauer auf dem afrikanischen Kontinent. Tabak ist mit 70 Prozent auch der größte Devisenbringer des Landes und trägt enorm zum Staatshaushalt bei. Die malawische Regierung weigert sich, das weltweite Abkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums zu unterzeichnen.

Sind die Staaten also auch ein bisschen selbst Schuld an der zunehmenden Nikotinsucht? Mit Rauchverboten, extrem hohen Tabaksteuern und Warnhinweisen auf Zigarettenverpackungen könnten sie Rauchern den Konsum vergällen. Das zeigen WHO-Studien aus vielen Ländern, auch aus Südafrika und Mauritius. Kritiker sehen die Schuldigen allerdings woanders: "Die Verantwortung für das globale Gesundheitsdesaster tragen hauptsächlich die transnationalen Tabakunternehmen", fasst Epidemiologieprofessor John Britton zusammen.

Die sechs großen internationalen Zigarettenhersteller, die immerhin 80 Prozent des Marktes unter sich aufteilen, geben in den Staaten südlich der Sahara viel Geld für Werbung aus. In Zeitungs- und Fernsehwerbung sind Zigaretten allgegenwärtig. An den Straßen und in den Siedlungen stoße man alle paar Meter auf eine Tabakwerbung, in den Städten kämen auf jeden Kilometer fünf Verkaufsstellen, die Zigaretten feilböten, sagt Unfair Tobacco. Die Zigaretten würden auch einzeln verkauft,  gerade damit auch Jugendliche zum Rauchen gebracht werden. 

Soziales Rauch-Engagement

Die WHO beschreibt, wie die Industrie Zigaretten in rauen Mengen an Schulkinder verschenkt, um diese schon früh süchtig zu machen. Außerdem verteilen die Tabakkonzerne an den Schulen T-Shirts und Stifte mit ihrem Firmenaufdruck; sie sponsern Sportfeste, Aids- und Tuberkulose-Projekte und unterstützen Bildungseinrichtungen finanziell.

Wohlwollend könnte man meinen, das sei soziales Engagement. Doch die Tabakexpertin Anna Gilmore von der britischen Universität Bath hat in Studien zusammengefasst, wie weit die Tabakkonzerne außerdem gehen: Sie drohen den Regierungen, die über Werbeverbote und Einschränkungen des Konsums nachdenken, mit Fabrikschließungen und Schadenersatzklagen. 

Jüngst sollen die Regierungen mehrerer afrikanischer Länder Briefe von Tabakkonzernen bekommen haben, worin diese millionenschwere Klagen ankündigten, falls Kontrollgesetze erlassen würden. Anwälte eines amerikanischen Tabakherstellers sollen der Regierung Kenias einen teuren Gerichtsstreit angedroht haben, falls die Anti-Raucher-Gesetzesvorhaben weiter verfolgt würden. Und ein Schreiben an die Regierung von Togo machte die Runde, in dem ein Tabakkonzern argumentierte, die Zigaretten-Einheitsverpackung mit Warnbildern wären ein substanzieller Eingriff in sein Eigentumsrecht. Der Konzern berief sich auf eine Entscheidung des Obersten Gerichts in Australien. Was er in einer klitzekleinen Fußnote versteckte: Das Gericht hatte seine Klage vor Jahren abgewiesen.

Nichtregierungsorganisationen und Gesundheitsexperten fürchten, dass sich die Staaten durch solche Drohungen einschüchtern lassen könnten. Die Regierungen fürchten um Arbeitsplätze – die Tabakkonzerne dagegen sorgen sich um ihre Einnahmen; während die Tabakforscher um die Gesundheit der Bevölkerung bangen. Es könnte sein, dass letztere auf der Strecke bleibt.