Donald Trump meint die Antwort auf die amerikanische Stahlkrise zu kennen: "Wir müssen unsere Industrie schützen, und das beginnt an der Grenze", so der Präsident am Montag, dem Auftakt seiner Made in America Week, die ganz im Zeichen von Wunderwaffen wie Deregulierung, Steuersenkungen und Handelsbeschränkungen stehen soll.

Unter ihm, versprach Trump in Washington, werde das Land endlich wieder zu einem Produktionsstandort. In der Industrie kommen die Versprechungen an. Die Aktien der US-Stahlproduzenten haben zuletzt zweistellige Gewinne erzielt, in der Hoffnung, der Präsident werde seine Drohung wahr machen und Ländern wie China hohe Strafzölle auferlegen. Der Stahl wird daher auch an diesem Mittwoch in Washington im Rahmen des hochrangigen US-chinesischen Wirtschaftsdialogs zur Sprache kommen. Dort werden Finanzminister Steven Mnuchin und Wirtschaftsminister Wilbur Ross mit Wang Yang, dem stellvertretenden Premier Chinas, über das US-Handelsbilanzdefizit mit der Volksrepublik verhandeln.

Die Hoffnung auf Strafzölle ist verständlich, schließlich hat die amerikanische Stahlbranche in den vergangenen Jahrzehnten gelitten. Viele Hersteller haben die Produktion wegen fehlender Nachfrage und zu hoher Kosten stark zurückgefahren, zahlreiche Produzenten, darunter Branchen-Ikonen wie Bethlehem, mussten ganz aufgeben. Die alten Stahlzentren, allen voran Pittsburgh, haben die Flaute zu spüren bekommen und Tausende Arbeitsplätze abgebaut und Arbeiter entlassen. Heute stehen viele Gebäude in der Stadt leer, den Abschwung sieht man der einst stolzen Industriehochburg überall an. War Pittsburgh 1950 die zehntgrößte Stadt des Landes, ist sie heute auf den 52. Platz gefallen.

Die "Minimills" haben den Markt aufgemischt

Doch ob die Tarife der Trump-Regierung der Branche zum lange ersehnten Aufschwung verhelfen werden, bezweifeln Branchenkenner. Zwar importierten die USA rund ein Viertel ihres Stahls aus dem Ausland, sagt etwa Allen Collard-Wexler von der Duke University. Doch in einem Großteil der Fälle handele es sich dabei um hochspezialisierte Stahlprodukte, nicht etwa um Stahlträger aus der Massenproduktion, wie sie in der Baubranche eingesetzt werden. Die Importe aus Ländern wie China und Taiwan liegen zudem schon heute im niedrigen einstelligen Bereich, weil die USA die Einfuhr mit Antidumpinggesetzen beschränken.

Das Importgeschäft dominieren längst Kanada, Brasilien und Korea. Es bestehe kein Zweifel daran, dass Peking seine Stahlindustrie stützt und die Produktion künstlich ankurbelt, sagt der Ökonom. "Ob das der Grund für unsere Krise ist, steht aber auf einem ganz anderen Blatt."

Die eigentlichen Ursachen liegen, wie in vielen alten Industrien, im technischen Fortschritt und in steigender Produktivität. Vor allem die sogenannten Minimills, oft kleinere hochagile Produzenten, haben den großen trägen Fabriken zu schaffen gemacht. Sie setzen auf das Recycling alter Materialien und können auf Marktzyklen deutlich schneller reagieren. Heute machen sie mehr als 50 Prozent der Gesamtproduktion aus.

Das hat nicht nur viele traditionelle Wettbewerber von dem Markt gedrängt, sondern dank zunehmender Automatisierung auch die Zahl der Arbeitsplätze dezimiert. Waren im Boomjahr 1953 noch 650.000 Amerikaner in der Stahlindustrie beschäftigt, lag die Zahl zuletzt bei 142.000. Die Wall Street hat die neuen Unternehmen wie Nucor und Steel Dynamics gefeiert. Doch viele Familien, die oft seit Generationen in der Branche sind, hat die Entwicklung hart getroffen.