Gerne verbreiten Unternehmen ihr Bild vom mündigen Konsumenten in etwa so: "Nie hatten die Kunden so viel Macht wie heute", "Die Verbraucher organisieren sich ihre Lobby heute selbst", "Jeder mit Computer und Facebook-Account kann sich heute wirkungsvoll wehren!" Wir müssen uns argumentativ mit der zunehmenden Vorstellung auseinandersetzen, ein ordentlicher Shitstorm reiche schon aus, damit internationale Megakonzerne einknicken und mit ihren für uns unangenehmen Angewohnheiten brechen.

Aber reicht im Zeitalter der Digitalisierung die Angst der Unternehmen vor dem digitalen Pranger aus, damit diese – quasi gegen ihren Willen – auf die Seite des Guten zurückgepustet werden? Manchmal klappt das tatsächlich.

Vor einigen Jahren brachte der bis dahin völlig unbekannte und noch nicht mal 30-jährige Österreicher Maximilian Schrems mit seiner Klage gegen Facebook quasi im Alleingang das Safe-Harbour-Abkommen zwischen den USA und Europa zu Fall. "Der Student, der Facebook Manieren beibrachte", war eine der jubelnden Schlagzeilen über ihn. "Der Mann, der Facebook verklagte und siegte", eine andere.

Schrems wurde zum Helden des digitalen Zeitalters – ein Robin Hood des Datenschutzes. Völlig zu Recht. Denn er hat Großes geleistet, einen wunderbaren Instinkt und tolles Engagement bewiesen, tiefe Fachkenntnis und unglaubliche Ausdauer gezeigt. Und er hat vielen Menschen, nicht nur den rund 25.000, die sich seiner Sammelklage angeschlossen haben, einen großen Dienst erwiesen. Aber taugt sein Beispiel, um die neue digitale Macht der Verbraucher zu belegen?

Denn auch das gehört zu der Geschichte: Er ist Jurist. Er kennt sich aus. Er hat jahrelang gegen Facebook geklagt. Welcher Normalbürger kann sich so viel Zeit, Kenntnis und Ausdauer leisten? Schrems konnte sich dabei einer Sammelklage bedienen – einem Instrument, das so in Deutschland leider nicht zur Verfügung steht. Was aber, wenn ein Bürger all das nicht hat?

Als Deutschlands oberster Verbraucherschützer habe ich immer wieder mit Fällen zu tun, in denen die Verbraucher kein Jura studiert haben. Sie arbeiten, erziehen Kinder und haben keine Zeit, keine Energie oder keine Lust, sich jahrelange Rechtsstreite mit Unternehmen zu liefern.