Davon hat schon mancher geträumt: ein halbes Jahr aus dem Job aussteigen, an eine Universität oder ein Lehrinstitut gehen und eine Weiterbildung absolvieren. Nur wie soll man das bezahlen? SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat dazu einen Vorschlag gemacht: das Chancenkonto. Auch die anderen Parteien wollen Weiterbildung fördern, schließlich drohen durch die Digitalisierung auch in Deutschland Millionen herkömmliche Jobs verloren zu gehen.

Auch in den Unternehmen wächst die Erkenntnis, dass wegen der fortschreitenden Digitalisierung der Bedarf an Weiterbildungen deutlich steigt. Das sagten 74 Prozent der Personalverantwortlichen laut einer Umfrage von TNS Infratest im vergangenen Jahr. Schon heute haben viele Arbeitnehmer die Möglichkeit zu einer Auszeit, doch einen gesetzlichen Anspruch auf das sogenannte Sabbatical gibt es nicht, man muss sich mit dem Arbeitgeber einigen und die Kosten selbst tragen. Auch der bereits existierende Bildungsurlaub ist kaum mit dem SPD-Vorschlag vergleichbar. Diese Auszeit steht Arbeitnehmern in fast allen Bundesländern außer Bayern und Sachsen zwar gesetzlich zu, beschränkt sich aber meist auf fünf Tage bezahlten Urlaub im Jahr.

Chancenkonto, Familienzeit, Bildungssparen oder grüne Arbeitsversicherung: Wie die Parteien der Herausforderung der Digitalisierung begegnen wollen – eine Übersicht:

Das Chancenkonto der SPD

"Alle Arbeitnehmer sollen ein persönliches Chancenkonto erhalten, das mit einem staatlichen Startguthaben ausgestattet ist", heißt es im Zukunftsplan der SPD, den Martin Schulz vorgestellt hat. Das Geld könne dazu eingesetzt werden, eine Weiterbildung oder Qualifizierung zu bezahlen und für diese Zeit von der eigentlichen Arbeit eine Auszeit zu nehmen. Allerdings müsse Weiterbildung über die üblichen Fortbildungen in Unternehmen hinausgehen, wofür diese selbst die Verantwortung trügen. Auch die Gründung eines Unternehmens könne von dem Chanchenkonto finanziert werden.

Die Idee dieses Kontos geht auf Vorschläge von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zurück. Darin war von einem Startguthaben von 5.000 Euro die Rede, das allen in Deutschland lebenden Erwerbsfähigen ab 18 Jahren zustehen soll. Langfristig könnte das Guthaben auf bis zu 20.000 Euro anwachsen.

Zur Finanzierung des Chancenkontos macht die SPD jedoch bisher keine Angaben. Dies werde "im Zweifel Gegenstand von Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl sein", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. "Ich finde es erst mal richtig, dass wir das Prinzip in die Diskussion gebracht haben." Tatsächlich ist es sehr schwer, ein Kostenmodell für das Chancenkonto zu erstellen, wenn etwa nicht klar ist, bis zu welchem Alter ein Arbeitnehmer das Geld beantragen kann. Nimmt man die 45 Millionen Menschen im erwerbfähigen Alter, also ohne Kinder und Rentner, ergibt sich schon bei einem Startguthaben von 5.000 Euro eine Gesamtsumme von 225 Milliarden Euro. Allerdings würden kaum alle Erwerbstätigen in Deutschland das Geld im selben Jahr abrufen, daher könnten sich die jährlichen Kosten im ein- bis zweistelligen Milliardenbereich bewegen, wie sich aus einer früheren Aussage von Arbeitsministerin Nahles schließen lässt.