Frage: Was wollen Sie mit der Übernahme von Air Berlin erreichen?

Hans Rudolf Wöhrl: Die Intro-Verwaltung ist nur an einer Gesamtübernahme und Fortführung der Air Berlin interessiert, um kein Monopol entstehen zu lassen. Am Ende wollen wir auch Geld verdienen.

Frage: Wie sieht Ihr Angebot konkret aus?

Wöhrl: Bisher bestand unser Angebot in einer entsprechenden Absichtserklärung an die Insolvenzverwalter. Die Behauptung, es sei dort kein Schreiben eingegangen, hat man später revidiert: "Die E-Mail und das Fax sind leider in den vielen Air-Berlin-relevanten Schreiben untergegangen!"

Frage: Sie sprechen von Investoren. Wer und wie viel Geld stecken dahinter?

Wöhrl: Die Intro-Verwaltung verfügt über ein Konsortium von Fachleuten, Investoren, Leasinggesellschaften und Fluggesellschaften, welche bei Bedarf zur Verfügung stehen. Wer und welche davon benötigt werden, lässt sich erst entscheiden, wenn eine Fortführungsprognose erstellt ist. Im Vorfeld zu unserem Angebot haben wir diesen Kreis befragt und positive Rückmeldungen bekommen. Nach der heutigen Kenntnislage könnten wir das, was die Intro-Verwaltung alleine nicht bewältigen oder finanzieren kann, mit diesen Partnern abdecken.

Frage: Thomas Winkelmann, der Chef der Air Berlin, hat Sie öffentlich als Trittbrettfahrer bezeichnet.

Wöhrl: Bisher habe ich Herrn Winkelmann als seriösen Manager kennengelernt. Daher halte ich diese Äußerung für einen emotionalen Gefühlsausbruch. Das ist durchaus verständlich, denn Herr Winkelmann kam von Lufthansa zu Air Berlin und vertritt offensichtlich nach wie vor die Interessen seines früheren Arbeitgebers. Das verstößt gegen Treu und Glauben gegenüber den Anteilseignern der Air Berlin, von denen auch Intro mit rund 500.000 Aktien einer ist. Herr Winkelmann weiß sehr genau, welche Erfahrungen und welch guten Ruf die Intro auf dem Gebiet der Luftfahrt hat. Dass wir diesen guten Ruf nicht um eines PR-Gags willen riskieren würden, weiß auch er!

Frage: Wie bewerten Sie die diversen Erklärungen der Regierung?

Wöhrl: Um ehrlich zu sein, bin ich entsetzt! Was in den letzten Tagen passierte, ist einer marktwirtschaftlich ausgerichteten und demokratischen Nation unwürdig. Ich kann gar nicht aufzählen, gegen wie viele Regeln verstoßen wurde und vermutlich noch wird. Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir in Deutschland auf dem besten Weg zu einer sozialistischen Planwirtschaft sind, bei der nur noch Großbetriebe erwünscht sind.

Frage: Was würden Sie tun, wenn Intro-Verwaltung am Ende doch den Zuschlag bekäme?

Wöhrl: Die Übernahme der kompletten Firma bedeutet zwangsläufig, dass der Geschäftsbetrieb zunächst unverändert fortgeführt wird. Details können erst nach einer genauen Ist-Analyse genannt werden. Air Berlin war ja zu Zeiten von Joachim Hunold mit dem Konzept "Von der Provinz in die Welt" sehr erfolgreich. Nach dem Einstieg von Etihad hat man, in der Hoffnung, ein internationales Drehkreuz in BER aufbauen zu können, dieses Erfolgsmodell Stück für Stück aufgegeben und saß damit zwischen Baum und Borke. Dafür konnte Air Berlin herzlich wenig, aber darüber spricht heute kaum noch jemand. Unser Bestreben wäre es, teilweise zu den Wurzeln zurückzukehren, was den touristischen Verkehr anbetrifft. Dann würden wir uns intensiver wieder mit dem innerdeutschen und dem europäischen Kurzstreckenverkehr verstärkt befassen, denn eine so große Airline braucht Ganzjahresziele.

Ein Punkt aber ist wichtiger als alles andere, und diesen positiv zu belegen wäre schon die halbe Miete. Wir würden alles tun, um das Vertrauen der Mitarbeiter und damit das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen. Air Berlin verliert Millionenumsätze, weil die Leute der Airline nicht mehr vertrauen. Das muss sich als Erstes ändern, und das können wir.

Frage: Wollen Sie das Deutschland- und Europa-Flugnetz aufrechterhalten?

Wöhrl: Ja, das sollte der Schwerpunkt sein.

Frage: Wollen Sie die Direktflüge in die USA bestehen lassen?

Wöhrl: Ja, aber nur dort, wo sie einen eindeutigen touristischen Wert haben und nicht im direkten Wettbewerb mit anderen Airlines stehen. Bei der Langstrecke wollen wir möglichst Ziele, die man 52 Wochen im Jahr anfliegen kann.