Kennen Sie den schon?

Wie reagiert ein Deutscher auf den bevorstehenden Klimawandel und den Abgasskandal?

Er kauft sich einen SUV.

Was klingt wie ein schlechter Witz, ist in Deutschland Realität. Große Autos mit hohem Verbrauch verkaufen sich so gut wie nie: Inzwischen ist jeder fünfte Neuwagen ein SUV. Einige Städte sorgen sich so sehr um die Gesundheit ihrer Bürger, dass sie Fahrverbote für Diesel erwägen. Trotzdem möchte kaum jemand weniger Auto fahren oder auf ein Modell mit Elektromotor umsteigen. Dafür scheint für den Einzelnen zu wenig Anreiz zu bestehen: Schadstoffe kann man nicht sehen und spürt sie kaum. Die Abgase scheinen sich in Luft aufzulösen. Da lässt es sich leicht verdrängen, dass jede Fahrt den Mitmenschen und der Umwelt Schaden zufügt. Schaden, für den nicht der Autofahrer zahlt, sondern die Gesellschaft.

Für den Klimawandel kommen nicht die Verursacher auf

Wenn Konsumenten Produkte kaufen und nutzen, die der Allgemeinheit schaden, ohne sie dafür zu entschädigen, ist das für Volkswirtschaftler ein Beispiel für "Marktversagen": Das freie Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage maximiert dann nicht das Gemeinwohl, sondern belastet Unbeteiligte. Der Klimawandel ist eine Folge dieses Marktversagens: Unternehmen und Verbraucher dürfen die Atmosphäre, die für uns alle die Lebensgrundlage ist, mit CO2 belasten, ohne dafür aufzukommen. Die Rechnung zahlen nicht die Verursacher – sondern diejenigen, die unter dem Klimawandel leiden. Denen zum Beispiel Dürren oder Überschwemmungen die Felder rauben, von denen sie leben.

Solches Marktversagen kann nur der Staat verhindern. "An die Moral zu appellieren und an die Eisbären zu erinnern, reicht nicht", sagt Brigitte Knopf vom Mercator-Forschungsinstitut für globale öffentliche Güter und Klimawandel.

Verbote könnten Arbeitsplätze kosten

Umweltprobleme werden nicht dadurch gelöst, dass der Einzelne zurücksteckt. Dafür ist der Mensch zu egoistisch. Man weiß schließlich nie, ob andere genauso moralisch handeln und will deshalb nicht riskieren, schlechter dazustehen. "Manche gehen das Risiko ein, weil sie ein Vorbild sein wollen, aber darauf kann sich der Staat nicht verlassen", sagt Thomas Wein, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Leuphana-Universität Lüneburg. "Gegen Marktversagen vorzugehen, ist eine staatliche Aufgabe und die Instrumente dafür gibt es."

Zum einen kann der Staat stark in den Markt eingreifen, indem er zum Beispiel Verbrennungsmotoren verbietet. Frankreich und das Vereinigte Königreich gehen diesen Weg. Unternehmen, die die Auflagen nur unter großen Kosten oder gar nicht einhalten können, könnten dadurch pleite gehen oder Angestellte entlassen. "Ein Verbot des Verbrennungsmotors legt die Axt an die Wurzel unseres Wohlstands", sagte etwa der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich beim TV-Duell erneut dagegen aus, einen Zeitpunkt für das Verbot von Dieseln und Benzinern festzulegen.

Angela Merkel - "Natürlich brauchen wir auch Dieselautos" Die Bundeskanzlerin spricht sich auf einer Wahlkampfveranstaltung für einen Wandel in der Autoindustrie aus. Fahrer von Dieselautos sollten aber nicht bestraft werden. © Foto: Ralph Orlowski/Reuters