In Deutschland gelangten nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung deutlich mehr mit Fipronil belastete Eier in den Handel oder wurden verarbeitet, als bislang bekannt war. Demnach wurden allein nach Niedersachsen mehr als 28 Millionen Eier geliefert, die möglicherweise Rückstände des Insektizids enthalten. Die Bundesregierung hatte zuletzt von der Lieferung von bis zu 10,7 Millionen verdächtiger Eier nach Deutschland gesprochen. (Die wichtigsten Fakten für Verbraucher lesen Sie hier.)

Die Zeitung beruft sich auf eine Auswertung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums auf Basis der Daten im EU-Schnellwarnsystem. "Rückrufe zu allen diesen Chargen sind erfolgt", teilte das Ministerium in Hannover mit.

Keine akute Gesundheitsgefahr

Aus Niedersachsen wurden wiederum knapp 17 Millionen Fipronil-Eier woandershin geliefert. Sie stammten aus Verdachtsbetrieben in den Niederlanden sowie aus den insgesamt vier Legehennenbetrieben in dem Bundesland, in denen Fipronil nachgewiesen wurde.

Fipronil ist ein Insektizid, das für Bienen, Zecken, Milben, Flöhe – also wirbellose Tiere – tödlich ist. Es wird in der Tiermedizin zum Beispiel gegen Flöhe und Milben bei Haustieren eingesetzt. Dort, wo Lebensmittel verarbeitet oder hergestellt werden – also auch in Legebetrieben –, ist der Einsatz des Mittels verboten.

Nach Ansicht von Medizinern und Gesundheitsbehörden besteht weiterhin keine akute Gesundheitsgefährdung durch die damit belasteten Eier. Krebserregend oder erbgutschädigend ist das Gift nach derzeitigem Wissensstand nicht, urteilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Allergien und Hautreizungen löse es ebenfalls nicht aus. Die Mengen, die in den Eiern gefunden wurden, sind außerdem zu gering, um Symptome einer Vergiftung auszulösen – selbst wer mehrere Eier mit Fipronil gegessen hat, müsse keine Folgen fürchten (siehe Kasten).

Über ein Reinigungsmittel namens Dega-16, das das Gift unerlaubt enthalten haben soll, soll es in die Betriebe und so in die Eier gelangt sein. Nach Recherchen des Spiegel soll der niederländische Hersteller Chickfriend die Betriebe, die es damit beliefert hat, bewusst getäuscht haben. So lag dem Mittel ein mutmaßlich gefälschtes amtliches Sicherheitsblatt bei, das Dega-16 als harmlos beschrieb. Derzeit arbeiten Ermittlungsbehörden an der Aufklärung des Falls.