Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin übernehmen. Seine Vermögensverwaltung Intro-Verwaltungs GmbH gab dafür über eine Münchner Kanzlei ein formelles Angebot ab. Ziel sei es, die Airberlin Group als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, teilte Wöhrls Unternehmen mit. Für sein Vorhaben habe er Rückendeckung von weiteren "Partnern mit hoher Fachkompetenz" sowie Finanzinvestoren.

Die Intro-Gruppe kritisierte, nicht zu den Sondierungsgesprächen eingeladen worden zu sein. Vom Insolvenzantrag der Airline habe man erst aus den Medien erfahren, obwohl die Gruppe bereits seit Jahren ein Interesse an einer Beteiligung angezeigt habe. Das Unternehmen kritisierte zudem die Bundesregierung für den Überbrückungskredit für Air Berlin in Höhe von von 150 Millionen Euro. Es gäbe Zweifel, dass der Rückzug des Großaktionärs Etihad überraschend gekommen sei. Vielmehr deute manches darauf hin, dass von langer Hand eine einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa entwickelt worden sei, vermutete das Wöhrl-Unternehmen. 

Über Wöhrls Interesse an Air Berlin hatten zunächst die Nürnberger Nachrichten berichtet. Zu Details des Angebots wollte der Unternehmer zunächst keine Angaben machen.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet, nachdem der Hauptaktionär Etihad mitgeteilt hatte, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Große Teile der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft könnten nun an die Lufthansa gehen. Außer Lufthansa sind Easyjet und Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor als Interessenten bekannt. Die irische Fluglinie Ryanair legte Beschwerde bei den Kartellbehörden ein. Sie wirft den Beteiligten vor, sich bereits auf eine Übernahme durch die Lufthansa geeinigt zu haben. Das Bundeskartellamt will die Übernahmepläne der Lufthansa intensiv prüfen.