In insgesamt 45 Staaten sind mittlerweile mit Fipronil belastete Eier festgestellt worden. In der Europäischen Union seien bislang nur Kroatien und Litauen frei von belasteten Eiern, sagte die EU-Kommissionssprecherin Anca Paduraru. Die restlichen 26 EU-Staaten sowie 19 weitere haben gemeldet, dass bei ihnen verunreinigte Eier oder Eierprodukte aufgetaucht sind. Zu den betroffenen Nicht-EU-Ländern zählten unter anderen die USA, Russland, Südafrika und die Türkei.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) forderte strengere Regeln für das EU-Warnsystem. "Wir müssen leider feststellen, dass monatelang in anderen Ländern die Informationen verfügbar waren und nicht an uns weitergegeben worden sind", sagte Schmidt bei einem Treffen der EU-Landwirtschaftsminister mit dem für Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis. Schmidt verlangte von der EU-Kommission, Vorschläge für "einheitliche Regeln" bei der Informationspflicht der Mitgliedstaaten auszuarbeiten." Er kritisierte vor allem Belgien und die Niederlande.

Keine Gesundheitsgefährdung

Von den Millionen belasteten Eiern geht keine direkte Gesundheitsgefährdung aus. Das Insektizid wurde zwar in einigen Eierchargen in Mengen entdeckt, die über der Referenzdosis liegen – also über der von der WHO festgelegten maximalen Menge einer Substanz pro Kilogramm Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages aufgenommen werden sollte. Da diese Grenzwerte aber mit einem erheblichen Sicherheitsabstand festgelegt werden, gehen Mediziner davon aus, dass die in den Eiern nachgewiesenen Mengen harmlos sind. Verbraucher würden von ein paar Eiern, die sie jetzt essen, nicht krank werden. (Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Fipronil in Lebensmitteln lesen Sie hier.) Der Skandal an der Sache ist, dass der Einsatz des Mittels Fipronil in Ställen, wo Eier, Milch oder Fleisch erzeugt werden, nicht zugelassen ist. Im Tierversuch erwies sich das Mittel als giftig. Daher soll es generell nicht in Kontakt mit Lebensmitteln kommen.

In Belgien waren nach Angaben der EU-Kommission erstmals Anfang Juni überhöhte Fipronil-Werte in einer Ei-Probe entdeckt worden. Eine niederländische Firma soll das Insektengift unerlaubterweise bei der Reinigung des betroffenen Stalls eingesetzt haben. Es habe danach Wochen gedauert, bis die belgischen Behörden die Ursache der Verunreinigung fanden, auch weil die Niederlande auf Anfragen nur langsam antwortete.

Erst am 20. Juli hatte sich Belgien an die EU-Kommission gewandt, die dann über ihr Schnellwarnsystem die anderen Mitgliedstaaten informierte. Seitdem mussten Millionen Eier vernichtet werden, europaweit wurden Hunderte Legehennenbetriebe geschlossen.