Acht Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise in Griechenland hat die Europäische Union ihr Defizitverfahren eingestellt. Den Beschluss fasste der EU-Ministerrat nach einer Empfehlung der EU-Kommission von Mitte Juli. "Nach vielen Jahren ernster Schwierigkeiten sind Griechenlands Finanzen jetzt in viel besserem Zustand", sagte der estnische Minister Toomas Tõniste als derzeitiger Ratsvorsitzender. "Wir sind jetzt im letzten Jahr des finanziellen Unterstützungsprogramms und es gibt Fortschritte, um es Griechenland zu ermöglichen, wieder zu nachhaltigen Konditionen Geld auf den Finanzmärkten zu bekommen."

Die EU-Kommission begrüßte den Schritt. Griechenland hatte im vergangenen Jahr erstmals wieder einen Haushaltsüberschuss ausgewiesen. Nach Reformen und Sparanstrengungen, die von den Europartnern im Gegenzug für drei Rettungsprogramme verlangt wurden, kam das Land im vergangenen Jahr auf einen Haushaltsüberschuss von 0,7 Prozent. Nach Vorhersagen der Kommission wird das Land 2017 und 2018 unter der EU-Vorgabe von maximal drei Prozent Defizit bleiben. Für 2017 wird ein Fehlbetrag von 1,2 Prozent erwartet.

Drittes Rettungsprogramm läuft

Das dritte Rettungsprogramm für Griechenland mit einem Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro läuft noch bis zum August 2018. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici erklärte, alle Beteiligten müssten nun dafür sorgen, dass "die positive Dynamik" bei Griechenlands Erholung erhalten bleibe, um das Rettungsprogramm erfolgreich abzuschließen. "Wie wir in den vergangenen Wochen gesehen haben, ist das Vertrauen zerbrechlich und muss gespeist werden."

Griechenland leidet weiter unter einer extrem hohen Gesamtverschuldung von 179 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Länder der Eurozone dürfen im Staatshaushalt nicht mehr als drei Prozent Neuverschuldung ausweisen, gemessen an der gesamten Wirtschaftskraft. Weil Griechenland deutlich darüber lag, wurde 2009 das Strafverfahren eingeleitet, das letztlich zu Bußgeldern hätte führen können. Griechenland wies damals ein Haushaltsdefizit von 15,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf.