Die strengeren Anforderungen sind zwar gut für die Sicherheit der Banken und bremsen die waghalsige Verschuldung der Bevölkerung. Aber das System hat zu einer Spaltung der britischen Gesellschaft geführt. Wer gut verdient, kann sich sein Eigenheim leisten und von den steigenden Preisen im Alter profitieren. Für  Menschen mit mittlerem oder geringem Einkommen hingegen ist dies schwieriger oder unmöglich geworden.

Die Zahl der Haushalte, die ein Eigenheim besitzen, ist in England in den vergangenen 15 Jahren von 71 auf 64 Prozent gesunken, in Raum Manchester und London sogar auf 58 Prozent, hat eine Erhebung der Resolution Foundation ergeben. In der Hauptstadt werden die teuren Immobilien heute weitgehend von Familien gekauft, die ihr Geld aus dem Mittleren Osten, China, Indien und Russland in den Westen schleusen. Nicht nur ein Klempner, auch ein Lehrer ist kaum noch in der Lage, sich in London ein Haus zu kaufen.

Was tun? Die Regierung weiß, dass die junge Generation den Sprung auf die Häuserleiter schaffen muss, da die Menschen sonst den Anschluss an ein System verpassen, das eine niedrige Staatsrente zahlt, wo die spätere Universitätsausbildung der Kinder viel Geld kostet und der Immobilienmarkt immer noch die sicherste Rendite verspricht.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Versuche , mit denen Erstkäufern der Einstieg in den Markt ermöglicht werden soll: Wer bereit ist, eines der neuen Billighäuser zu kaufen, die angesichts des Wohnungsmangels gerade gebaut werden, und nur fünf Prozent Eigenkapital zusammenbringen kann, erhält für einen Teil des Kaufpreises ein zinsloses Darlehen. Eine andere Variante: Wer wenig verdient, bekommt beim Eigenkapital Hilfe vom Staat. Oder er braucht nur einen Teil einer Wohnung kaufen und kann für den Rest Miete zahlen. Manche Neubauten werden jungen Leuten auch zu einem Preisabschlag angeboten. Die ultra-niedrigen Zinsen der Bank von England von 0,25 Prozent helfen auch.

Aber selbst dann ist der Immobilienkauf eine Herausforderung für die ganze Familie. Mehr als die Hälfte von jungen Leuten unter 35 Jahren hat beim Ersterwerb ihrer Wohnung finanzielle Hilfe der Eltern in Anspruch genommen, hat der Versicherer Legal & General ermittelt. Die Diskrepanzen in der britischen Bevölkerung werden größer.