Aber noch eine andere wichtige Aufgabe kommt der Entwicklungspolitik zu: Auch wenn sie Migration nicht verhindern kann, so kann sie durchaus Migrationsprozesse aktiv mitgestalten. Denn Migration bringt auch positive Effekte mit sich. Hierzu zählen vor allem finanzielle Sendungen von Migranten an ihre Familien. Schon bald könnten nach Schätzungen der Weltbank diese sogenannten Rücküberweisungen in Entwicklungs- und Schwellenländer die Gesamtmarke von 500 Milliarden US-Dollar überschreiten. Und dieses Geld wird bei den Empfängern durchaus auch für Bildung, Gesundheit oder Investitionen ausgegeben.

Diese und andere positive Wirkungen von Migration hat man in der Entwicklungszusammenarbeit schon lange erkannt. Daraus ist der Arbeitsbereich Migration und Entwicklung entstanden. Dieses Tätigkeitsfeld muss in Anbetracht der migrationsbezogenen Herausforderungen auf dem afrikanischen Kontinent weiter ausgebaut werden. Dazu gehört auch die Unterstützung der innerafrikanischen Wanderung, die nach wie vor einen Großteil der afrikanischen Migrationsbewegungen ausmacht. Hier gilt es, durch eine Stärkung afrikanischer Regionalorganisationen wie der westafrikanischen ECOWAS und ihren zum Teil bereits existieren Migrationsabkommen Migranten besser vor Ausbeutung oder Rechtsunsicherheit zu bewahren.

Wenn die Jamaika-Koalition zustande kommt und sich auf ein Einwanderungsgesetz verständigen kann, könnte auch ein weiteres Feld bald stark an Bedeutung gewinnen: die entwicklungspolitische Unterstützung geregelter Zuwanderung. Hier gilt es aber einige kritische Aspekte zu beachten. Zunächst muss der sogenannte Braindrain, also eine übermäßige, der wirtschaftlichen Entwicklung schadende Abwanderung von Fachkräften, vermieden werden. Dies kann zum Beispiel durch Investitionen in relevante Wirtschaftssektoren oder Ausbildungspartnerschaften gelingen. Zudem müssen Migranten vor ihrer Ausreise etwa durch Qualifiezierungsmaßnahmen vorbereitet und später bei der Integration begleitet werden.

Die Formel "Mehr Entwicklungshilfe gleich weniger Migration" geht definitiv nicht auf. Aber die neue Bundesregierung kann mit einem mutigen Vorstoß Zuwanderung so gestalten, dass sie nicht allein den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarktes gehorcht, sondern auch den Herkunftsländern nutzt oder zumindest nicht schadet. Fest steht, dass das Problem der irregulären Migration ohne eine gewisse Verbreiterung der Möglichkeiten der regulären Zuwanderung nach Deutschland und Europa nicht gelöst werden kann.