George Soros bei einer Veranstaltung in Berlin © Sean Gallup/​Getty Images

Seine große Stunde schlug im Spätsommer 1992. Damals wetteten Devisenspekulanten gegen das englische Pfund und brachten damit die britische Notenbank in eine Zwangslage. Großbritannien hatte zwar eingewilligt, in das Europäische Währungssystem EWS, den Vorläufer des Euro, einzutreten. Allerdings wollte die britische Notenbank einen festen Kurs gegenüber der D-Mark –  in Höhe von 2,7 Mark je Pfund. Angesichts der damals herrschenden Inflation und den niedrigen Zinsen im Land hätte der Kurs aber tiefer liegen müssen. Diese Einschätzung nahmen viele Devisenspekulanten zum Anlass, auf einen sinkenden Kurs zu setzen. Um die Nachfrage zu erhöhen und damit den im EWS festgelegten Kurs zu halten, kauften die britischen Notenbanker vermehrt die eigene Währung. Doch der Druck wurde zu stark. 

Am 16. September gab die Bank of England auf und wertete das Pfund ab. Die Spekulanten, darunter prominent Soros, kassierten sechs Milliarden Dollar – auf Kosten der britischen Steuerzahler. Großbritannien trat dem Euro nie bei. Anders als andere Gewinner der Wette ging Soros mit seinem Erfolg – er hatte eine Milliarde Dollar an einem Tag gewonnen – an die Öffentlichkeit. Er ließ sich in den Zeitungen als Bezwinger der Bank of England feiern. Die Finanzszene, darunter seine eigenen Kollegen, war überrascht. Normalerweise hielten sich die Spekulanten lieber bedeckt. 

Politik mit Reichtum und Prominenz

Soros begann, seinen Reichtum und seine gewonnene Prominenz zu nutzen, um politisch Einfluss zu nehmen. In den USA ist das an sich nichts Ungewöhnliches, auf der konservativen Seite haben die Koch-Brüder, Erben eines Ölimperiums, über Jahrzehnte Hunderte Millionen ausgegeben und Dutzende Institutionen unterstützt oder initiiert. Institutionen, die von Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt werden, haben unter Barack Obama in den USA die Bildungspolitik maßgeblich mit gesteuert. Zwar stehen auch die Koch-Brüder und Gates in der Kritik, doch sind die Angriffe nicht annähernd so virulent und persönlich wie bei Soros.

Indiens Premierminister Narendra Modi hat beispielsweise über 11.000 westlichen Hilfsorganisationen und NGOs verboten, ausländische Mittel anzunehmen – und viele damit praktisch zur Schließung gezwungen. Prominent mit dabei sind Institutionen, die Soros unterstützt hat. Und Israels Premier Benjamin Netanjahu ist Soros – der Israels Umgang mit den Palästinensern kritisiert – derart feindlich gesinnt, dass er Israels Botschafter anwies, die Kritik an Orbáns Anti-Soros Kampagne wieder zurückzunehmen. Der Botschafter Yosef Amrani hatte zuvor die Plakate kritisiert, weil sie Antisemitismus schürten.  

Warum ist Soros zum bestgehassten Mann der Welt geworden? Vielleicht ist die Erklärung ganz einfach. Soros sei der perfekte Bösewicht, schrieb Gideon Rachman kürzlich in der Financial Times, weil er ein Internationalist in einem nationalistischen Zeitalter sei.