Für Donald Trump ist die Sache ganz einfach: Werden die Steuern für Wohlhabende und Unternehmen in den USA deutlich gesenkt, hilft das am Ende allen – weil Firmen mehr investieren, neue Jobs entstehen, das Wachstum anzieht. Aber stimmt das?

Wenn man nach Kansas schaut, ist die Antwort ein klares Nein. "Was ihr vorhabt, wird nicht funktionieren", prophezeit die republikanische Politikerin Barbara Bollier, die für den Bundesstaat im US-Senat sitzt. "Ihr solltet aus unseren Fehlern lernen." Mit Steuerkürzungen allein komme man nicht weit. Die Regierung in Washington, warnte sie, werde dieselben Probleme haben, die auch Kansas erlebt habe.

Vieles in Kansas erinnert an die Steuerreform, für die Trump und die Republikaner in diesen Tagen in Washington werben. "Wir glauben, dass amerikanische Familien besser wissen, wie sie ihr Geld investieren als der Staat", sagte Mehrheitssprecher Paul Ryan am Donnerstag. So ähnlich klang es auch in Kansas: Der Bundesstaat wollte zur Blaupause für das Ideal einer konservativen Steuerpolitik werden: ein extrem schlanker Staat, der den Bürgern und der Wirtschaft möglichst wenig Steuern abverlangt.

2012 hatten die Konservativen in Kansas unter Führung von Gouverneur Sam Brownback das Steuergesetz angepasst. Das Ziel: Mittelständische Unternehmen, Selbständige und Landwirte sollten gestützt und so die Wirtschaft angekurbelt werden. Die Pläne der Steuerrevolutionäre sahen vor, die Einkommenssteuer schrittweise auf Null zu senken. Außerdem sollten Firmen mit bestimmten Rechtsformen – etwa Limited Liability Companies (LLC) – komplett von der Einkommenssteuer befreit werden. Das Ganze, erklärte ein zuversichtlicher Brownback, sei ein "Experiment in Echtzeit".

Steuereinnahmen brachen ein

Das Experiment ging nach hinten los. Innerhalb eines Jahres sanken die Steuereinnahmen in Kansas um acht Prozent oder rund 700 Millionen Dollar. Was die Sache noch schlimmer machte: Die Abgeordneten hatten es versäumt, die Staatsausgaben zu senken. Weil es plötzlich an den nötigen Mitteln fehlte, sah sich der republikanische Gouverneur gezwungen, Schulprogramme zurückzufahren, Reparaturen an Highways zu verschieben und Sozialleistungen zu kürzen.

Der Aufschwung, den sich die Republikaner von ihrer Steuerpolitik erhofften hatten, blieb zudem aus. Das Wachstum im Privatsektor war in der Folge sogar niedriger als der Landesdurchschnitt, wie das Center on Budget and Policy Priorities errechnet hat. Gleich zwei Ratingagenturen stuften den Bundesstaat wegen der Haushaltsprobleme herab, für 2017 droht ein Haushaltsdefizit von mehr als 350 Millionen Dollar.

In diesem Jahr schließlich zogen die Gesetzgeber in Kansas die Notbremse. Ein von Republikanern und Demokraten gleichermaßen getragenes Gesetz machte im Juni einen Großteil der Änderungen rückgängig. Die Pläne hätten vor allem dazu gedient, den Staat zu verkleinern, nicht um die Geschäfte anzukurbeln, lautete das frustrierte Fazit der Abgeordneten Stephanie Clayton im Magazin The Atlantic.