Mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland lebt laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung länger als fünf Jahre in armen Verhältnissen. Für zusätzlich zehn Prozent der Kinder ist Armut zumindest ein zwischenzeitliches Phänomen. "Kinderarmut ist in Deutschland ein Dauerzustand. Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien", sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Als armutsgefährdet gelten Kinder, die in einem Haushalt leben, der über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens verfügen kann oder vom Staat eine Grundsicherung erhält. Für die Studie haben die Forscher erstmals untersucht, wie undurchlässig die sozialen Milieus für Kinder sind. Die Forscher werteten Daten für 3.180 Kinder über einen Zeitraum von fünf Jahren aus und konnten so nachvollziehen, wie sich die Einkommenssituation in deren Haushalten in dieser Zeit änderte.

"Die zukünftige Sozialpolitik muss die Vererbung von Armut durchbrechen. Kinder können sich nicht selbst aus der Armut befreien. Sie haben deshalb ein Anrecht auf Existenzsicherung, die ihnen faire Chancen und gutes Aufwachsen ermöglicht", sagt Dräger. Daher solle die Politik Kinder nicht wie kleine Erwachsene behandeln, sondern die bisherigen familienpolitischen Leistungen neu bündeln und unbürokratisch helfen.

Die Grundversorgung ist für die Kinder in der Regel gewährleistet. Die Betroffenen sind laut der Studie aber vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt. Um das messbar zu machen, fragen die Wissenschaftler, welche 23 Güter und Aspekte aus finanziellen Gründen in den Familien fehlen. Darunter fallen Kinobesuche, Freunde einladen, Computer mit Internetzugang oder ausreichend Wohnraum. Kinder in einer dauerhaften Armutslage geben im Schnitt an, dass ihnen 7,3 der abgefragten Güter fehlen. Kinder mit zwischenzeitlicher Armutserfahrung geben an, im Durchschnitt auf 3,4 Dinge verzichten zu müssen. Kindern, die dauerhaft in gesicherten Verhältnissen leben, fehlen aus finanziellen Gründen im Schnitt nur 1,3 der abgefragten 23 Güter.

Als besonders gefährdet gelten Kinder von Alleinerziehenden. Dabei hat sich das Armutsrisiko dieser Gruppe in den vergangenen Jahren erhöht. 2016 verfügten 43,6 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe über entsprechend geringe Einkünfte, wie die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf aktuelle Daten der Bundesregierung berichtet, die Sabine Zimmermann (Die Linke) abgefragt hatte. Im Jahr 2005 lag der Anteil demzufolge noch bei 39,3 Prozent.

Mehr als jeder dritte Alleinerziehenden-Haushalt mit minderjährigen Kindern habe 2016 Hartz IV bezogen, heißt es. Der Anteil liege bei 36,9 Prozent. In absoluten Zahlen seien das 606.000. Das sind knapp 42.000 mehr als 2005.