Für den Warenverkehr innerhalb Irlands fordert die britische Regierung von der EU mehr Großzügigkeit. Zum Beispiel könne sie an der irischen Grenze zwischen Norden und Süden auf die Qualitätskontrolle von Waren in die Republik Irland und bei kleinen Unternehmen auf Zollkontrollen verzichten. Etwa 80 Prozent des Warenverkehrs über die grüne Grenze sei regionales Geschäft des Mittelstandes.

Jede Woche würden zum Beispiel 10.000 Schweine über die Grenze nach Nordirland zum Schlachten geliefert. Der Rest der Firmen könne den Status von sogenannten Trusted Traders, vertrauenswürdigen Händlern, erhalten. Die würden dann auch von Kontrollen ausgenommen. Bei Agrarprodukten könne Nordirland die EU-Qualitätsnormen anwenden. Nordirland könne sich dazu verpflichten, beim Import von Waren, die in Nordirland ankommen und für die EU bestimmt sind, die Einhaltung der entsprechenden EU-Bestimmungen anzuwenden.

Beim Zoll hat die Regierung in London auch eine Idee: Nordirland könne beim Import von außereuropäischen Produkten ja EU-Zölle erheben. Und für die sogenannte Landbrücke, die die Lastwagen aus der Republik Irland über die Fähre nach Großbritannien und von dort durch den Kanaltunnel in die EU nutzen, könne man ein Transitabkommen schließen und gemeinsam auf Import- und Exporterklärungen verzichten. 

Am Ende würden die Briten also akzeptieren, dass zumindest Nordirland einige EU-Bestimmungen anwenden würde – Hauptsache, es gibt keine harte Grenze zwischen dem Norden und dem Süden. EU-Unterhändler Michel Barnier hält die britischen Vorschläge für eine Aufforderung an die EU, ihre Regeln und Gesetze über Bord zu werfen. Es sei der Versuch, zu testen, was möglich sei, um eine Blaupause für ein künftiges Zollabkommen zwischen der EU und Großbritannien zu haben. "Das funktioniert aber nicht", sagte Barnier.

"Die Situation ist vertrackt", warnt Ralf Lissek von der Deutsch-Irischen Handelskammer. "Jetzt merken erst mal alle, welche Vorteile die EU hat." Er hofft, dass eine Lösung künftig nicht auf dem Rücken der Iren ausgetragen wird, denn Irland hat beim Brexit fast mehr zu verlieren als Nordirland. Allerdings muss der Beschluss des EU-Rates im Dezember, dass die Briten ausreichend Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen erreicht haben, einstimmig gefällt werden. Da zählt auch die Stimme Irlands. Und Theresa May hat nur noch bis Montag Zeit.