US-Präsident Donald Trump hat sich für Jerome Powell als künftigen Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) entschieden. Der 64-jährige Powell ist seit 2012 Mitglied im Vorstand der Bank.

Die Amtszeit der amtierenden Chefin Janet Yellen, die als erste Frau die Zentralbank leitete, endet im Februar. Trump selbst hatte zuvor Andeutungen gemacht, dass er Powell, Yellen und den Stanford-Ökonomen John Taylor in die engere Auswahl für das Amt genommen habe.

Powell wird unter Beobachtern als solide Wahl gesehen. Er sei für die Führungsaufgabe bestens geeignet, engagiert und klug, sagte Trump. "Es gibt wenige Positionen, die wichtiger sind als diese", betonte der Präsident. Powell habe gezeigt, dass er ein Mann des Konsenses sei, der die Wirtschaft durch alle Herausforderungen führen könne.

Powell genießt den Ruf eines konsensorientierten Moderaten, der seine Entscheidungen gründlich abwägt und seine Worte sorgfältig wählt. Weggefährten beschreiben den Juristen als einen ruhigen, ausgleichenden Mann mit guten Manieren. Die Washington Post bezeichnete ihn als "nervtötend normal".

Anders als Janet Yellen wird ihm jedoch eine gewisse Nähe zu den Republikanern nachgesagt. Powell hatte bereits für die Regierung von George W. Bush gearbeitet. Ökonomisch vertritt der Nominierte im Grundsatz aber die Linie Yellens. Experten erwarten deshalb im Fall seiner Wahl eine kontinuierliche Weiterentwicklung der bisherigen US-Geldpolitik. Der Senat muss Powell für das Amt noch bestätigen.

Die amerikanische Notenbank kann über die Instrumente Zinsen und Geldmenge wirtschaftliche Entwicklungen und Entscheidungen in der ganzen Welt beeinflussen. Auch der Außenwert des US-Dollars, in dem sich etwa viele Länder verschuldet haben, hängt maßgeblich von der Politik der Fed ab. Die Devisenkurse sind zudem ein wichtiger Faktor in den internationalen Handelsströmen. Powell würde als Chef der Fed weltweit zu den einflussreichsten wirtschaftlichen Akteuren gehören.

Zuvor hatte Powell bereits eine erfolgreiche Karriere in der Finanzwelt hingelegt. Als Wirtschaftsanwalt gestartet, arbeitete er in den 1990er Jahren für das US-Finanzministerium unter Präsident George H. W. Bush. Später verdiente er Millionen als Investmentbanker. 

Sollte er die notwendige Zustimmung des Senats bekommen, wäre Powell der erste Fed-Chef seit Jahrzehnten ohne Abschluss in Wirtschaftswissenschaften.