Die Wirtschaftsweisen erhöhen die Wachstumsprognose der deutschen Wirtschaft, warnen aber gleichzeitig vor einer zu hohen Auslastung der Produktionskapazitäten. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien, die vorab aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats für die Bundesregierung zitieren. Der Report wird morgen offiziell vorgestellt.

Den Angaben zufolge prognostizieren die fünf Weisen um den Essener Professor Christoph Schmidt für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent in Deutschland. 2018 werde es bei 2,2 Prozent liegen. Bisher waren die Experten von 1,4 Prozent für dieses und 1,6 Prozent für das kommende Jahr ausgegangen.

Das anhaltende Wachstum könne aber zu einer "Überhitzung der Wirtschaft" führen, heißt es laut Deutschlandfunk in dem Gutachten. Demnach befinde sich die deutsche Wirtschaft derzeit in einer Überauslastung der Kapazitäten. Der Haushaltsüberschuss von gut 31 Milliarden Euro solle daher für wachstumsfreundliche Reformen genutzt werden.

Wie das Handelsblatt berichtet, fordern die Wirtschaftsweisen eine Abkehr vom "Verteilungskurs" der großen Koalition. Die Parteien einer möglichen Jamaika-Koalition sollten sich in Verteilungsfragen mäßigen. Stattdessen plädierten die Berater den Angaben nach für eine "Zukunftsorientierung" in Form von Steuer- und Abgabenentlastungen. Den Bürgern sollten mit einer Reform der Einkommensteuer Mehreinnahmen aus der kalten Progression zurückgegeben werden. Der Solidaritätszuschlag solle allmählich abgeschafft werden. Außerdem sollte der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung von drei auf 2,5 Prozent abgesenkt werden, zitiert die Zeitung aus dem Gutachten.

Die Einschätzung der Wirtschaftsweisen deckt sich mit der Herbstprognose der Bundesregierung, die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) vor einem Monat vorgestellt hatte. Auch darin waren zwei Prozent Wirtschaftswachstum für dieses Jahr vorausgesagt worden. "Der deutschen Wirtschaft geht es gut", sagte Zypries bei der Vorstellung. Trotzdem gebe es Probleme, so wie etwa abgehängte Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. Außerdem bemängelte die Ministerin, "dass wir noch immer relativ viele geringfügig beschäftigte Personen haben."