Als Reality-TV-Star weiß Donald Trump, wie man Spannung aufbaut. Entsprechend inszenierte er seine Suche nach einem neuen Chef der US-Notenbank Federal Reserve als monatelanges Spektakel. Es sei eine der wichtigsten Entscheidungen seiner Präsidentschaft, erklärte er. In diesem Fall gaben die Medien ihm umstandslos recht. Auch sie berichteten geradezu atemlos über Trumps wechselnde Favoriten.

Am Donnerstag stellte Trump seinen Erwählten endlich vor: Jerome Powell, genannt Jay, wird künftig für die Geldpolitik der USA zuständig sein. Und schon ging die mediale Aufregung weiter: Da ist die Tatsache, dass Powell, anders als fast alle seine Vorgänger, kein Ökonom ist, sondern Jurist. Viel wird auch über den möglichen Einfluss seiner Wall-Street-Vergangenheit gemutmaßt. Der 64-Jährige war Partner bei der in Washington exzellent vernetzten Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group.

Dann ist Powell wohlhabender als seine Vorgänger: 2016 verfügte er laut eigenen Angaben über ein Privatvermögen von 55 Millionen Dollar. Banker und Investoren durchkämmen derweil Powells bisheriges Verhalten als Notenbanker auf Hinweise für die Zukunft. Obama hatte den Republikaner bereits 2012 in das Gremium der Fed-Gouverneure berufen, dessen Vorsitz er jetzt übernimmt. Die Finanzmärkte dürften sich deshalb freuen. Powell wird den Kurs seiner Vorgängerin Janet Yellen wohl fortsetzen. Aber das hätte auch jeder andere Fed-Chef getan.

Was in all den wortreichen Analysen und Porträts untergeht: Es ist ziemlich egal, wer auf dem Fed-Chefsessel Platz nimmt.

Die Angst der Notenbanker vor dem Crash

In die Alternativlosigkeit hat sich die Fed selbst hineinmanövriert. Bevor die Notenbanken sich zu den Managern der Wirtschaft aufschwangen, waren sie eigentlich als Finanzfeuerwehr gedacht. Die Gründung der Fed 1913 kam nach einer Krise, die dem Lehman-Kollaps ähnelte. Der Zusammenbruch wurde nur durch das Eingreifen von dem damals wichtigsten Finanzier J.P. Morgan verhindert, der seine beträchtlichen Mittel und seinen noch größeren Einfluss auf andere Banker geltend machte.

Die Idee war, eine unabhängige Institution zu schaffen, die solche Rettungsmaßnahmen vornehmen konnte. Nach der Ölkrise der 1970er Jahre, erteilte der Kongress der Fed jedoch das Mandat, nicht nur für Preisstabilität zu sorgen, sondern auch alles zu unternehmen, um Vollbeschäftigung zu erreichen. Als nach dem Kollaps von Lehman Brothers die Große Rezession einsetzte und innerhalb von wenigen Monaten Hunderttausende Jobs vernichtet wurden, versorgte die Fed Banken und Unternehmen mit einer Flut an billigem Geld.

Die Banken, so das Kalkül, sollten sich nahezu kostenfrei refinanzieren können. Sie würden entsprechend Kredite an Unternehmen vergeben. Die wiederum würden sich durch die billige Finanzierung in der Lage sehen, neue Fabriken und Arbeitsplätze zu schaffen. Als die Notenbanker jedoch feststellen mussten, dass die radikale Senkung der Leitzinsen nicht ausreichte, um den erwünschten Investitionsschub auszulösen, begann die Zeit der "unkonventionellen" Geldpolitik.

Die Erholung blieb schwach

Die Fed – wie auch die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und die Bank of England – begann, Staatsanleihen von den Banken aufzukaufen, später Hypothekenpapiere. Die Banken, so die Überlegung, würden den Erlös aus den Verkäufen in die reale Wirtschaft pumpen. Dank der Käufe, im Notenbankerjargon Quantitative Easing genannt, häufte die Fed schließlich die Rekordsumme von vier Billionen Dollar an Wertpapieren in ihren Büchern an – das entspricht mehr als der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands. Das billige Geld sollte die Bürger zum Konsum anregen und Unternehmen versichern, dass sich das Risiko einer Investition in Grenzen hielt.

Die Erholung blieb jedoch schwach. Es zeigte sich, dass niedrige Zinsen als Anreiz nur beschränkt wirken. Finanzierungskosten sind nur ein Faktor bei Konsum- und Investitionsentscheidungen und in der Regel nicht der ausschlaggebende. Die Ausnahme bilden die Finanzmärkte. Dort spielt der Preis des Geldes die Hauptrolle. Und dort entfaltete das billige Geld seine größte Wirkung. Die Finanzmärkte sind heute globaler, komplexer und vernetzter als je zuvor. Vor allem aber sind sie größer denn je. Mehr als 250 Billionen Dollar sind die weltweiten Finanzwerte nach Kalkulationen des Internationalen Währungsfonds wert.

Dazu zählen Aktien, Anleihen, Bankreserven und Schuldverschreibungen aller Art. Insgesamt kommen die Finanzwerte auf eine Summe, die dreimal so hoch ist, wie die gesamte weltweite Wirtschaftsleistung. Die Zahlen spiegeln, wie rasant die Geldwirtschaft an der Realwirtschaft vorbeigezogen ist. 1980 beliefen sich die Finanzwerte auf 12 Billionen Dollar, was damals etwa 110 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprach.