Über die Autobahn fährt man nordwärts von Altenberg weniger als eine Stunde bis Dresden und noch etwa zwei Stunden bis Berlin. Am Rand der Hauptstadt erstreckt sich ein roter Backsteinbau über ein altes preußisches Kasernengelände, hier sitzt die Deutsche Rohstoffagentur, kurz Dera. Sie gehört zur Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), deren Experten Unternehmen und Politik vor allem in einer wichtigen Frage beraten: Wie lässt sich die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit mineralischen Rohstoffen sicherstellen?

Michael Schmidt stellt ein kleines Plastikfläschchen auf den Tisch, darin schwappt eine klare Flüssigkeit. "Lithium-haltiges Salzwasser", sagt der Dera-Experte. Er hat es mitgebracht aus einem Salar in Argentinien, einem Ablagerungsgebiet eines austrocknenden Salzsees. Es gebe vor allem zwei Möglichkeiten, sagt Schmidt, den Rohstoff Lithium zu gewinnen. Bergbau, so wie er in Zinnwald geplant sei, und eben aus Lithium-haltigem Wasser aus Salaren, wie sie vor allem in Südamerika zu finden seien, zum Beispiel in Chile, Argentinien oder auch Bolivien.

An den verschiedenen Arten der Gewinnung machen sich auch die Kostenunterschiede in der Produktion fest. "Das Lithiumcarbonat aus der Atacama-Wüste kann zu Kosten von gut 2.000 bis 2.500 Dollar pro Tonne produziert werden", sagt Schmidt. Der Abbau aus Festgestein hingegen zum Beispiel in Australien sei mit etwa 4.000 Dollar pro Tonne doppelt so teuer. Die Deutsche Lithium von Armin Müller hofft, in Zinnwald zu ähnlichen Kosten wie die Australier produzieren zu können. "Bei dem aktuellen Marktpreis von 14.000 Dollar pro Tonne kann man da durchaus profitabel arbeiten", sagt Schmidt.

Doch viele in der Branche erwarten, dass sich diese hohen Preise nicht lange halten, schließlich haben sie sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt – auch aufgrund des Hypes um die Elektromobilität. Schmidt geht davon aus, dass es zu einer Korrektur im Markt kommt – aus zwei Gründen: "Die Einführung von Elektroautos wird sich wahrscheinlich verzögern", sagt der Lithium-Experte. "Das bedeutet, die Nachfrage wird vermutlich nicht so exorbitant schnell steigen, wie aktuell prognostiziert." Außerdem erhöhten viele Unternehmen in der Branche gerade ihre Fördermengen und neue Projekte begännen mit der Förderung. "Das könnte zu einem Produktionsüberschuss führen", sagt Schmidt.

Dennoch sieht der Geologe der Deutschen Rohstoffagentur ein Potenzial in Zinnwald, es komme auch ein politischer Faktor hinzu. "Momentan bestimmen global drei Unternehmen den Markt, de facto haben wir ein Oligopol in der Förderung", sagt Schmidt. Je höher die Konzentration des Angebots sei, desto höher auch die Gefahr, dass es zu Lieferausfällen oder starken Preisschwankungen komme. "Deutsche Unternehmen, die Lithium verarbeiten wollen, sollten über Ausweichstrategien nachdenken", sagt Schmidt. Langfristige Lieferverträge oder Projektbeteiligungen könnten da beispielsweise interessant sein.

Vielleicht lässt sich die geplante Mine in Zinnwald am ehesten vergleichen mit einem Einkauf im Kiosk um die Ecke: Das Angebot ist teuer, aber nah und immer verfügbar. Die Lithium-Förderung in Deutschland, so wie sie Armin Müller vorhat, wird nicht die günstigste sein. Darüber sind sich alle in der Branche im Klaren. Aber das Projekt könnte dennoch für Europas Industrie eine Chance sein, sich vor den Risiken des globalen Marktes zu schützen.