Prinz Charles ist bekannt als engagierter Umweltschützer. Doch sein Einsatz für eine Neuregelung bestimmter Klimaschutzvereinbarungen erscheint angesichts privater Investitionen als nicht ganz uneigennützig. Aus den Paradise Papers geht hervor, dass Vermögen von Charles in eine Offshore-Firma auf den Bermudas geflossen ist, berichten Süddeutsche Zeitung und die BBC. Die Firma investierte in nachhaltige Forstwirtschaft und hätte von den von Charles beworbenen Regeländerungen profitiert – und damit auch der britische Thronfolger selbst.

Das Herzogtum Cornwall, das für Charles, der auch Herzog von Cornwall ist, ein Vermögen von über einer Milliarde Euro verwaltet, soll 2007 Anteile im Wert von 135.000 Dollar an dem Unternehmen Sustainable Forestry Management (SFM) gekauft haben. Die – inzwischen aufgelöste – Firma handelte mit Emissionsgutschriften und investierte in Wälder in Australien, Afrika, Lateinamerika und Südostasien. SFM habe deshalb auch mit CO2-Gutschriften auf tropische und subtropische Wälder handeln wollen. Durch das Kyoto-Abkommen und den EU-Emissionshandel waren Regenwälder allerdings ausgeschlossen.

Fünf Monate nachdem das Herzogtum Cornwall die Anteile an SFM erworben hatte, kritisierte Prinz Charles in einer Rede den Ausschluss der Regenwälder. "Da jetzt das Kyoto-Protokoll besteht, haben Nationen mit tropischen Regenwäldern keine Möglichkeit, anders von ihren Wäldern zu profitieren, als sie abzuholzen und neu zu pflanzen", sagte er laut BBC. "Der Europäische Emissionshandel schließt CO2-Gutschriften für Wälder in Entwicklungsländern aus. Das muss falsch sein und wir müssen die internationale Gemeinschaft drängen, zusammenzuarbeiten, um diese Fehler dringend zu beseitigen."

SFM sicherte zu, das Investment vertraulich zu behandeln

Auch in einer Rede vor dem Europaparlament habe sich Charles für eine Änderung des EU-Emissionshandels zum Schutz der Regenwälder starkgemacht sowie in weiteren Reden und Videos den ökologischen Wert der Wälder betont, heißt es bei der BBC. Prinz Charles habe "sicherlich nie entschieden, sich für ein Thema auszusprechen, nur weil es eine Firma betrifft, in die er investiert haben könnte", sagte ein Sprecher des Thronfolgers gegenüber dem britischen Sender.

Charles’ Einsatz für die Aufnahme der Regenwälder in das Zertifikatsystem blieb erfolglos, die Klimavereinbarungen wurden nicht verändert. Das Investment in SFM lohnte sich trotzdem: Als das Herzogtum Cornwall die Anteile an der Firma nach etwa einem Jahr weiterverkaufte, war der Wert der Aktien in der Zwischenzeit um 225 Prozent gestiegen.

Die Verbindung zwischen Prinz Charles und SFM sollte offenbar nicht bekannt werden. Laut Süddeutscher Zeitung sicherte der Vorstand des Unternehmens dem Herzogtum Cornwall zu, dass die Beteiligung an SFM geheim gehalten werden solle, mit Ausnahme gesetzlich verpflichtender Offenlegungen. Der ehemalige, inzwischen verstorbene Direktor von SFM soll zudem ein enger Freund von Prinz Charles gewesen sein.