In den Paradise Papers war sein Name zunächst untergegangen. Die Recherchen zu den Offshore-Geschäften der Geldelite hatten dubiose Verwicklungen von Handelsminister Wilbur Ross mit dem Kreml offenbart. Eine Meldung, die die nächsten Tage bestimmte. Dass aber auch Robert Mercer, der öffentlichkeitsscheue Hedgefonds-Manager, ein ganzes Netz von Firmen über die Bermudas laufen ließ und so Steuerzahlungen in Millionenhöhe in der Heimat vermied, ging nahezu unter.

Dabei ist der Einfluss von Robert Mercer auf die US-Politik heute mindestens so groß wie der des Handelsministers. Der 71-jährige CEO von Renaissance Capital, einem großen, sehr verschwiegenen US-Hedgefonds, ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Namen in der Politik geworden. Über seine Organisationen, vor allem die Mercer Family Foundation, hat er bislang geschätzte 62 Millionen Dollar ausgegeben, um die Politik im Land in seinem Sinne zu beeinflussen. Der Financier, der den Staat genauso hasst wie Expertenmeinungen, unterstützte einen Kongress in Wyoming, auf dem sich die Redner für die Wiedereinführung des Goldstandards stark machten und spendete Hunderttausende von Dollar an Organisationen, die gegen den Schulzwang kämpfen.

Im Rampenlicht steht er erst seit vergangenem Jahr. Mit seinem Geld hatte Mercer zunächst die Kandidatur von Ted Cruz unterstützt, sich aber bald hinter Donald Trump gestellt und ihm mit prall gefüllter Kriegskasse zum Einzug ins Weiße Haus verholfen. Wie wichtig die Unterstützung war, wusste auch Trump: Im Dezember dankte der frisch gewählte Präsident Mercer bei einer Veranstaltung auf dessen Anwesen in Long Island höchstpersönlich für die Unterstützung. Der Hedgefonds-Manager, sagen Kenner, sei für das libertäre Antiestablishment, was die Industriellenbrüder Charles und David Koch für die Republikaner und Investor George Soros für die Demokraten seien.

Sein Vermögen machte Mercer erst spät. Der Computerwissenschaftler tüftelte lange für den Branchenriesen IBM an Systemen, die Sprachübersetzungen automatisieren sollten, bevor mit Ende 40 ein Jobangebot von Renaissance kam. Dort feilte Mercer gemeinsam mit Kollegen an Algorithmen, die Finanzgeschäfte vorhersehbar machen sollten. In die Berechnungen flossen eine Vielzahl von Faktoren ein, darunter Wettervorhersagen, die dann in Investmententscheidungen übersetzt wurden. Mercers Geld steckt auch in Cambridge Analytica – jener Datenfirma, die mit ihren Analysen treffsichere Anzeigen auf Facebook verspricht und damit Trump und dem Brexit zum Erfolg verholfen haben will. Derzeit untersuchen zwei Ausschüsse des US-Kongresses die Firma wegen möglicher Zusammenarbeit mit russischen Offiziellen.

Die Rechenmethoden zahlten sich für Renaissance aus. Der Hedgefonds verwaltet heute über 50 Milliarden Dollar und fährt Renditen von fast 40 Prozent ein. Längst mehrt Renaissance nur noch das Geld der eigenen Mitarbeiter, für Außenstehende ist der Fonds seit Jahren geschlossen. Über die Bermudas soll die Firma laut den Paradise Papers unter anderem die hochprofitablen Rentenfonds der Angestellten laufen lassen und so Hunderttausende Dollar an Steuern umgehen, wie der britische Guardian analysierte. Schon in den vergangenen Jahren war das komplizierte Firmengeflecht ins Visier der amerikanischen Steuerbehörde geraten. Die IRS wirft Renaissance vor, insgesamt rund 6,8 Milliarden Dollar an Steuern umgangen zu haben.

Anfang November erklärte Robert Mercer nun überraschend den Rücktritt aus dem Management von Renaissance. In einem offenen Brief begründete der 71-Jährige die Entscheidung unter anderem mit der großen Aufmerksamkeit, die er in den Medien im vergangenen Jahr erhalten habe – und räumte bei der Gelegenheit mit den "Falschinformationen" über seine politische Gesinnung auf, die über ihn verbreitet worden seien. 

Wichtiger noch als der Rücktritt war aber für viele ein Absatz weiter hinten: Er wolle seine Anteile an der rechten Plattform Breitbart an seine Töchter abtreten, erklärte Mercer da. Zugleich distanzierte er sich – für ihn untypisch – in aller Öffentlichkeit von deren umstrittener Lichtfigur Steve Bannon. Zwar diskutiere er mit Bannon hin und wieder über Politik. "Aber", stellte Mercer klar, "ich treffe meine eigenen Entscheidungen darüber, wen ich politisch unterstütze. Und diese Entscheidungen stimmen nicht immer mit denen von Mr. Bannon überein."