Griechenland wird nach Einschätzung des Eurorettungsfonds ESM das laufende Hilfsprogramm wohl nicht vollständig brauchen. "Wir freuen uns, dass die Darlehenssumme für Griechenland deutlich unter dem ESM-Programmdeckel von 86 Milliarden Euro bleiben dürfte", sagte ESM-Chef Klaus Regling laut einem Vorabbericht dem Handelsblatt.

Nicht abgerufene Gelder könnten laut Regling teilweise dazu genutzt werden, Griechenlands Darlehen an andere Gläubiger zurückzuzahlen. Voraussetzung dafür sei aber, dass Athen die Reformauflagen umsetze und alle Euro-Staaten zustimmten, schränkte er ein.

Seit 2010 wird Griechenland von internationalen Geldgebern mit Hilfskrediten vor dem finanziellen Kollaps bewahrt. Das aktuell dritte Hilfsprogramm mit einem Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro läuft im Sommer 2018 aus. Dann will Griechenland nach mehr als acht Jahren am finanziellen Tropf wieder selbstständig wirtschaften können – und zu bezahlbaren Zinsen Kredite aufnehmen. Die Regierung hofft, bis dahin das nötige Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen. Die internationalen Gläubiger knüpfen ihre Hilfskredite aber an Bedingungen.

Inwieweit Griechenland die Auflagen erfüllt, wollen ESM, EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds ab dem kommenden Montag wieder intensiv kontrollieren. Zunächst wollen die Geldgeber prüfen, wie sich die Staatsfinanzen entwickeln. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Athener Finanzministeriums. Auf einer Sitzung der Eurogruppe am 4. Dezember soll dann über die aktuelle Lage beraten werden. Mit Abschluss der Kontrollen werde jedoch frühestens im Januar gerechnet, berichten griechische Medien.   

Mehr als ein Fünftel der Erwerbstätigen arbeitslos

ESM-Chef Regling sagte im Handelsblatt, er hoffe auf einen zügigen Abschluss der Prüfrunde: "Nach großen Verzögerungen bei den ersten beiden Programmüberprüfungen sind wir jetzt ermutigt von der Vorbereitungsarbeit der griechischen Seite für die kommende dritte Überprüfung."

Griechenland rechnet dank einer anziehenden Wirtschaft und sinkender Arbeitslosigkeit auf bessere Haushaltszahlen, als von seinen Gläubigern gefordert. Das Finanzministerium erwartet im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent – nach einem angestrebten Plus von 1,6 Prozent im laufenden Jahr.     

Zudem wird ein weiterer langsamer Rückgang der Arbeitslosigkeit unterstellt. Die Erwerbslosenquote soll nach neuesten Schätzungen bis Ende 2018 auf 20,2 Prozent sinken. Dieses Jahr könnte sie bei 21,7 Prozent liegen, was aber immer noch eine der höchsten Quoten unter den Euro-Ländern ist. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit bleibe eine zentrale Aufgabe, sagte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras den Zeitungen Die Welt und Le Figaro.

Auch Tsipras rechnet mit einem planmäßigen Abschluss des Hilfsprogramms. Inzwischen sei Griechenland wieder wettbewerbsfähig, sagte er. Seine Regierung und die europäischen Partner arbeiteten hart daran, dass dieses "Abenteuer im August 2018 ein Ende hat" – und zum ersten Mal glaube er, dass diese Hoffnung mehr als ein Traum sei.