ZEIT ONLINE: Wer hat Ihnen geholfen und Sie beraten?

Lind: Ich habe mit meiner Idee an Wettbewerben für Schüler teilgenommen, die Unternehmertum fördern, und das hat mich wirklich weitergebracht. Egal, ob die Founders Academy, der Startup Teens Award oder der Gründerslam – ich konnte überall viel mitnehmen. Über die Wettbewerbe habe ich mir in kurzer Zeit ein großes Netzwerk aufgebaut. So konnte ich von echten, erfahrenen Unternehmern lernen und Mitstreiter finden. Das hat mich motiviert, nach der Schule dranzubleiben. Heute sind wir zu viert im Team und haben noch acht weitere Leute, die daran arbeiten.

ZEIT ONLINE: Wie haben Ihre Mitschüler und Freunde reagiert?

Lind: Zunächst waren sie natürlich skeptisch, wie so oft, wenn neue Ideen entstehen. Mit der Zeit konnte ich zeigen, dass ich nicht nur etwas erzähle. Ich hab ihnen die App zum Ausprobieren gegeben. Das war auch gut für mich, denn so habe ich Feedback bekommen.

ZEIT ONLINE: Mal eine eigene Firma zu gründen – kommt das anderen Gleichaltrigen auch in den Sinn?

Lind: Es gibt schon ein paar gleichaltrige Firmengründer in Deutschland. Einige davon kenne ich persönlich. Aber ich würde sagen, es sind nicht mehr als acht Jugendliche in Deutschland.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle hat dabei der Wirtschaftsunterricht in der Schule gespielt? Wie haben Sie diesen erlebt?

Lind: Ich hatte in der Schule einen Leistungskurs in Sozialwissenschaften, das war im weitesten Sinn auch Wirtschaftsunterricht. Und somit habe ich schon früh einen guten Einblick in die Wirtschaft und das europäische System bekommen. Das hat mir auch geholfen, die Abläufe besser zu verstehen. Aber bei den ganz konkreten Fragen, mit denen man es als Gründer zu tun hat – zum Beispiel Fragen des Vertragsrechts – hat mich der Schulunterricht nicht weitergebracht. Da würde ich mir noch mehr Wissensvermittlung wünschen.

ZEIT ONLINE: Wirtschaftsplanspiele, Schülerfirmen, Wirtschaftspraktikum – sind das aus Ihrer Sicht die geeigneten Mittel, damit Jugendliche sich mit dem Thema Gründen und Unternehmertum auseinandersetzen?

Lind: Ja, mir selbst hat das sehr weitergeholfen. Ich denke, jede Schule sollte eine Schülerfirma haben und Wirtschaftsplanspiele machen. Jugendliche können sich erst im konkreten Erleben etwas unter Wirtschaft vorstellen.

ZEIT ONLINE: Was könnte oder sollte Schule noch leisten, um Schülern mehr Verständnis von Wirtschaft zu vermitteln?

Lind: Das ist natürlich in jedem Bundesland etwas anders. Aber ich denke, wir bekommen an unseren Schulen schon eine sehr gute und breitgefächerte Bildung, jedoch wird kaum praktisches Wissen für den Alltag vermittelt. Im Moment können die Lehrer selbst entscheiden, ob sie solche konkreten Fragen – gerade wenn es um ganz konkrete Fragen wie die Steuererklärung, Verträge oder Finanzierung geht – im Unterricht thematisieren oder nicht. Wenn man mehr Gründergeist fördern möchte, sollte das aber Teil des Lehrplans sein.