Am Ende kapitulierten die Finanzbehörden vor dem Wirrwarr: Mit mindestens 82 verschiedenen Stiftungen, Trusts und Briefkastenfirmen in sieben Steueroasen hatte die Unternehmerfamilie Engelhorn jahrelang ihr Vermögen verschleiert. Und das so geschickt, dass von dem anfänglichen Vorwurf der umfassenden Steuerhinterziehung am Ende wenig Beweisbares übrig blieb: Die Familie Engelhorn, immerhin Nachkommen des BASF-Gründers, einigte sich 2013 mit dem Finanzamt auf einen Deal. 145 Millionen Euro flossen laut Süddeutscher Zeitung (SZ) zurück in die Staatskasse, hinzu kamen zwei Bewährungsstrafen – kein Familienmitglied musste ins Gefängnis.

Heute steht der so lieblich klingende Name Engelhorn für eines der größten Steuerstrafverfahren, das Deutschland je gesehen hat. Doch offenbar war das unübersichtliche Offshore-Imperium der Familie noch weit größer als bislang bekannt, wie die sogenannten Paradise Papers zeigen: Nicht einmal ein Fünftel des gesamten Firmengeflechts war den Ermittlungsbehörden laut SZ bekannt. Für Familie Engelhorn war es offensichtlich ein Leichtes, mithilfe von Kanzleien wie Appleby Steuerhinterziehung zu perfektionieren.

Nach den Panama Papers aus dem Jahr 2016 bringen die Paradise Papers des internationalen Netzwerks von investigativen Journalisten das Thema Steuerhinterziehung wieder auf die politische Agenda. Das Problem ist lange bekannt, aber unheimlich komplex: Nach Schätzung des internationalen Netzwerks für Steuergerechtigkeit (TJN) verlieren Regierungen weltweit jedes Jahr rund 700 Milliarden US-Dollar, da Konzerne und Privatpersonen ihr Vermögen dank Steueroasen und Briefkastenfirmen verschleiern.

Das Bankgeheimnis gibt es nicht mehr

Auch wenn solche Summen nicht danach klingen: In den vergangenen Jahren hat sich, vor allem für Privatpersonen, viel im Kampf gegen Steuerhinterziehung getan. Wer im Jahr 2007 das Bankgeheimnis ausnutzen und ein anonymes Nummernkonto in der Schweiz einrichten wollte, hatte kaum Probleme damit. Seit September dieses Jahres allerdings weiß der Fiskus in diesem Fall meist Bescheid: Die ausländische Bank muss automatisch die Steuerbehörden des Wohnsitzlandes kontaktieren. Und auch die Behörden untereinander tauschen sich aus.

48 Staaten sind mittlerweile an Bord, im kommenden Jahr werden es rund einhundert Staaten sein – inklusive der üblichen Steueroasen wie Singapur oder den Kaimaninseln. Dem Netzwerk für Steuergerechtigkeit geht der bisherige Informationsaustauch allerdings nicht weit genug: Zu wenige Entwicklungsländer seien dabei, zu viele Schlupflöcher biete der Mechanismus.

Wie transparent müssen Firmen sein?

Für Unternehmen sind die Möglichkeiten zur Steueroptimierung ebenfalls komplizierter geworden – allerdings nur in kleinen Schritten. 60 Länder, darunter alle EU-Staaten, haben inzwischen zugesagt, sich miteinander auszutauschen: Internationale Konzerne müssen gegenüber dem Fiskus nun veröffentlichen, in welchen Ländern sie welche Umsätze und Gewinne erwirtschaften. Es ist ein erster kleiner Erfolg, auf Drängen des Industrieländerclubs OECD. Doch vielen, darunter auch dem EU-Parlament, geht das nicht weit genug. Sie wollen, dass diese Daten auch öffentlich, also beispielsweise im Netz, einsehbar sind.