Die ersten Tage nach der Amtseinführung Donald Trumps im Januar dieses Jahres brachten auch für David Smith eine Menge Veränderung. Nützliche Veränderung. Der Chef des Medienkonzerns Sinclair dürfte sich über eine ganze Reihe von Regulierungen gefreut haben, die von der Kommunikationsbehörde FCC gelockert wurden, schließlich hatte Smith diese seit Jahren als hinderlich kritisiert. Die Vorgaben sollten beispielsweise verhindern, dass Mediengruppen Ressourcen und Werbeeinnahmen über mehrere Stationen verteilen können.

Der große Preis aber folgte in der vergangenen Woche: Die FCC entschied auf Drängen des neuen Behördenchefs, den die Regierung Trump eingesetzt hatte, eine mehr als 30 Jahre alte Regelung aufzuheben. Diese hatte bis dahin eine zu große Konsolidierung regionaler Medien eingeschränkt. Die mehr als 15.000 Unterschriften und Proteste zahlreicher Organisationen gegen die Entscheidungen waren wirkungslos geblieben. Jetzt fürchten Beobachter, stehe dem unaufhaltsamen Aufstieg von Sinclair kaum noch etwas im Weg.

Schon heute besitzt der Konzern mit 173 Fernsehstationen in den USA mehr Sender als jedes andere Unternehmen und hat einen Marktwert von 3,4 Milliarden Dollar. "Sinclair ist die gefährlichste Firma im Land, die kaum jemand kennt", sagt Michael Copps, selbst ehemaliger Vorsitzender der FCC.

Lokale Version von Fox News

Doch der Konzern ist noch nicht fertig: Sinclair plant die Übernahme von weiteren 42 Fernsehstationen des Konkurrenten Tribune Media für 3,9 Milliarden Dollar – ein Deal, der mit der Entscheidung der Behörde wahrscheinlicher geworden ist. Sollte der Plan aufgehen, würde Sinclair auf einen Schlag zwei Drittel aller amerikanischen Haushalte erreichen und in vielen Märkten ein Quasimonopol bilden. "Es war die fatalste Entscheidung, die die FCC je getroffen hat", sagt Copps, der die Behörde zwischen 2001 und 2011 leitete. Doch sie überrascht ihn nicht.

Denn für Menschen wie Copps ist Sinclair noch aus einem anderen Grund problematisch. Der Medienkonzern gilt für viele als eine lokale Version des Senders Fox News. Die New York Times beschrieb die Gruppe vor wenigen Wochen als "konservativen Giganten", der seit der Regierung von George Bush sein Programm nutze, um eine rechte Agenda zu verbreiten.

Immer wieder produziert die Zentrale in Maryland eigene Segmente, die dann als Must-run-Programm von allen lokalen Stationen übernommen werden müssen. Als Bush während des Irak-Kriegs in die Kritik geriet, wies Sinclair die Stationen an, eine Episode der Sendung Nightline kurzfristig zu streichen, weil darin die Namen von gefallenen US-Soldaten verlesen wurden.

15 Exklusivinterviews im Wahlkampf mit Trump

Im Wahlkampf 2004 wurden die Lokalsender angehalten, eine kritische Reportage über den damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry auszustrahlen – die darin genannten Vorwürfe wurden später widerlegt. Unter Trump ist die Verbindung zur Politik noch enger geworden. Im Laufe des Wahlkampfs strahlte Sinclair insgesamt 15 Exklusivinterviews mit dem republikanischen Kandidaten aus, die vor allem in entscheidenden Swing-States gezeigt wurden. Interviews mit Hillary Clinton gab es nicht.

Im April schließlich warb die Gruppe den ehemaligen Sprecher des Wahlkampfteams von Trump, Boris Epshteyn, aus dem Presseteam des Weißen Hauses ab. Dessen Trump-freundliche Kommentare laufen seitdem täglich auf allen Lokalstationen des Senders. Die liberale Website Slate nannte die Einspieler von Epshteyn "ein Paradebeispiel purer Propaganda". Die Zuschauer wüssten häufig gar nicht, dass hinter ihrem lokalen Programm ein Milliardenkonzern stecke, sagen Kritiker wie Copps.

David Smith hat den rasanten Aufstieg des Konzerns vorangetrieben. Sein Vater, Julian Sinclair Smith, hatte die Gruppe 1971 während der Nixon-Präsidentschaft als Gegengewicht zu den liberalen Massenmedien gestartet. Nach dem Tod des Gründers kaufte Smith dessen Aktienanteile auf und baute das Unternehmen innerhalb von 28 Jahren vom Regionalangebot in Baltimore zu einem Milliardenkonzern aus.

"Ausdehnen wie das Universum"

Auf dem Weg dahin übernahm er Konkurrenten und kämpfte für die Lockerung von Regelungen, die den Aufstieg behinderten. "Wir dehnen uns immer weiter aus, wie das Universum", sagte Smith in einem seltenen Interview mit der Baltimore Sun im Jahr 1995. Kritikern an seinem Kurs wirft Smith vor, den Ruf seines Unternehmens zerstören zu wollen.

In der Öffentlichkeit zeigt sich der Sinclair-Vorsitzende ungern, Interviewanfragen lehnt er in der Regel ab. Der Wikipedia-Eintrag von David Smith hat noch nicht einmal ein Foto und beschränkt sich auf wenige Absätze. Hinter den Kulissen wuchs der Einfluss, Smith wurde mit seinen Sendern nicht nur zu einer verlässlichen konservativen Stimme, sondern auch zu einem großzügigen Geldgeber. Seit 2014 spendete der heute 67-Jährige über sein Super-Pac mehr als 225.000 Dollar an Wahlkampforganisationen, die überwiegende Mehrheit davon ging an republikanische Kandidaten.

Spätestens jetzt scheinen sich die Spenden auszuzahlen. Die FCC diene unter ihrer neuen Führung den Interessen Trump-freundlicher Unternehmen, sagt Michael Copps. Erst am Dienstag entschied die Behörde, die von Trumps Vorgänger Barack Obama durchgesetzte Netzneutralität abschaffen zu wollen, die Inhalten im Internet einen gleichberechtigten Zugang sichern soll.

Inzwischen ist Sinclair längst nicht mehr nur im lokalen TV-Geschäft vertreten. Bereits 2015 kaufte das Unternehmen die Nachrichten-App Circa und baute sie innerhalb weniger Monate zu einer Plattform um, die seitdem vor allem junge Nutzer mit einem steten Strom an Nachrichten aus konservativer Perspektive versorgt. Circa, schrieb die Website The Root, sei das, was herauskomme, wenn Breitbart und Fox News ein Baby hätten, "das cooler und glatter ist und am Ende mächtiger wird als die eigenen Eltern". Bei beiden, berichten US-Medien, werde man angesichts der neuen Konkurrenz inzwischen nervös.