Eine unabhängige Studie wirft dem VW-Konzern Repressalien gegen Oppositionelle in seinen brasilianischen Fabriken während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 vor. "Der Werkschutz überwachte oppositionelle Aktivitäten seiner Beschäftigten und erleichterte durch sein Verhalten die Verhaftung von mindestens sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", heißt es in einer in Brasilien vorgestellten Untersuchung des Historikers Christopher Kopper von der Universität Bielefeld. Der VW-Konzern hatte sie selbst in Auftrag gegeben, weil er auf die damaligen Opfer zugehen will.

Volkswagen do Brasil ist seit 1953 im fünftgrößten Land der Welt aktiv und beschäftigt dort rund 20.000 Menschen. Auf dem Gelände des Werks in São Bernardo do Campo wurde eine Gedenktafel für die Opfer des Regimes enthüllt, Menschenrechtsorganisationen sollen zudem zur Stärkung der Demokratie unterstützt werden.

Eines der damaligen Opfer, Lúcio Bellentani, gab an, der VW-Werkschutz habe nicht nur seine Verhaftung, sondern auch seine Misshandlung durch die Politische Polizei auf dem Werksgelände geschehen lassen. "Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als der Einsatz von Folter durch die Politische Polizei bereits in der brasilianischen und in der deutschen Öffentlichkeit bekannt war", schreibt Kopper.

Er zog Unternehmensarchive von Volkswagen in Wolfsburg und der Tochter Volkswagen do Brasil heran, zudem wurden brasilianische Archive konsultiert und Befragungen von Zeitzeugen durchgeführt.

"Die Korrespondenz mit dem Vorstand in Wolfsburg zeigt bis 1979 eine uneingeschränkte Billigung der Militärregierung". 1969 habe die Zusammenarbeit des Werkschutzes mit der Geheimpolizei begonnen. VW wollte sich mit der Zusammenarbeit ein günstiges Marktumfeld sichern. "Die staatliche Kontrolle der Lohnentwicklung und der Gewerkschaften hielten die Löhne auf einem niedrigeren Niveau als in einer pluralistischen Demokratie", so Kopper.

Das Management von VW do Brasil habe den Militärputsch von 1964 und die Etablierung einer zunehmend repressiveren Militärdiktatur eindeutig positiv beurteilt, da es eine unternehmensfreundliche Politik erwartete. VW prüft auch Opferentschädigungen.