Anstatt einen europäischen Finanzminister mit einem schlecht zugeschnittenen Mandat zu fordern, sollte die Europäische Kommission vorschlagen, dass in Zukunft der Vorsitzende der Eurogruppe nicht mehr gleichzeitig ein Finanzminister eines Mitgliedsstaates ist. Der Eurogruppenchef sollte ein klares europäisches Mandat haben. Dieser hauptamtliche Vorsitzende der Eurogruppe muss dann die europäischen Interessen bei den Treffen mit den nationalen Finanzministern verteidigen und gemeinsam getroffene Entscheidungen in nationalen Parlamenten rechtfertigen. Zu guter Letzt sollte ein solcher Vorsitzender der Eurogruppe dem Europäischen Parlament regelmäßig Bericht erstatten und dort Beschlüsse der Eurogruppe erläutern – möglicherweise im selben Rahmen, wie es der Präsident der Europäischen Zentralbank bereits macht.

Trotz des problematischen Vorschlags haben Jean-Claude Juncker und der französische Präsident Emmanuel Macron jedoch in einem Punkt recht: Europa bedarf einer grundlegenden Diskussion über seine finanziellen Prioritäten. Ausgangspunkt muss natürlich der EU-Haushalt sein, der an die Herausforderungen Europas im 21. Jahrhundert angepasst werden muss. Macrons Vorschlag, Sicherheit und Verteidigung, Grenzkontrolle und Migration, Forschung und gemeinsame Klimapolitik in den Mittelpunkt zu stellen, ist vernünftig und findet breite Zustimmung. Eine Reform des Haushalts, die die Mittel für die Ausgaben des 20. Jahrhunderts, vor allem in der gemeinsamen Agrarpolitik, auf die neuen Politikfelder umlenkt, ist daher sinnvoll.

Präsident Junckers Idee einen Teil des EU-Haushalts für eurozonenspezifische Ausgaben zu reservieren, sollte ebenfalls ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Denn es wäre nicht besonders geschickt, neben dem Rettungsfonds ESM völlig neue Institutionen für die Eurozone zu schaffen. Das würde nur zu einer weiteren Spaltung zwischen der Eurozone und dem Rest der EU führen.

Stattdessen könnte der EU-Haushalt selbst zur fiskalischen Stabilisierung beitragen und für die Bewältigung von Krisensituation in Mitgliedsstaaten genutzt werden. Beispielsweise könnte bei einem großen Andrang von Zuwanderern ein Mitgliedsstaat wie Italien Hilfe aus diesem Teil des EU-Haushalts erhalten. Darüber hinaus ist es auch sinnvoll, innerhalb des EU-Haushalts eine Art "Schlechtwetter"-Fonds einzurichten, der Ländern unter die Arme greift, die sich einem makroökonomischen Schock ausgesetzt sehen.

Die Europäische Kommission sollte sich daher darauf fokussieren, den EU-Haushalt zu reformieren und ihn nützlicher für die Bürger Europas zu machen. Sie sollte sich von ihrer Idee eines EU-Finanzministers schnell verabschieden, der institutionell und politisch schlecht durchdacht ist. Stattdessen wird die haushaltspolitische Koordinierung der Eurozone durch einen stärkeren Vorsitzenden der Eurogruppe sowie seiner Rechenschaftspflicht gegenüber dem Europäischen Parlament deutlich verbessert.