Bitcoin sei sogar sicherer als Gold, meint Ronnie Moas. Denn anders als bei Gold, von dem niemand genau wisse, wie viel es davon auf der Erde gebe, gebe es eine Obergrenze der Bitcoins, die im Computercode festgelegt wurde: Demnach kann es nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben.

Moas gehört zu den prominentesten Fans der Kryptowährungen an der Wall Street. Der Gründer von Standpoint Research, einer unabhängigen Investmentberatung, sagt einen Bitcoin-Preis von 28.000 Dollar für kommendes Jahr voraus. Und das sei erst der Anfang. Seine Begründung: Weltweit seien rund 200 Billionen US-Dollar in Aktien, Anleihen, Gold und Bargeld investiert. "Wenn nur zwei Prozent davon in Kryptowährungen wandern, entspricht das vier Billionen Dollar." Bisher erreicht der kombinierte Wert der virtuellen Währungen Hunderte Milliarden Dollar. Skeptiker, die den Hype um die virtuellen Währungen mit der niederländischen Tulpenspekulation im 17. Jahrhundert vergleichen, würden sich wegen "Ahnungslosigkeit" blamieren. "Das sind Leute, die sich damit entweder keine fünf Minuten beschäftigt haben oder eigene Interessen verfolgen." Wie etwa Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JPMorgan Chase, der gerne öffentlich über Bitcoin lästert und Investment in die digitale Währung "dumm" und einen "Betrug" nennt.

Aber auch Krypto-Fan Moas räumt ein, dass nicht alle der Kryptowährungen überleben werden. Abzuwarten hält er dennoch für falsch. "Was wäre schmerzhafter: Ein paar Tausend Dollar jetzt einzubüßen oder später festzustellen, dass man fünf bis zehn Jahre früher hätte in Rente gehen können?"

Erste Terminkontrakte auf Bitcoin

Den jüngsten Anstieg der Bitcoin-Kurse erklären sich Wall-Street-Profis aber auch mit dem Einstieg von institutionellen Anlegern. Bislang investierten Vermögensverwalter das Geld ihrer Kunden nicht in Kryptowährungen, weil sie keine Möglichkeit hatten, sich gegen Kursschwankungen abzusichern. Das ändert sich nun. Gleich zwei Chicagoer Terminbörsen – CBOE und CME – starten in diesem Monat einen Terminkontrakt auf Bitcoin. Am Sonntagabend hatte der erste Bitcoin-Terminkontrakt sein Debüt an der CBOE und trieb die Bitcoin-Kurse hoch. Auch die Techbörse Nasdaq will ein solches Finanzinstrument auflegen. "Das öffnet den Markt für die Großinvestoren", sagt von Abele. Und dürfte den Kurs noch einmal antreiben, so die Rechnung vieler Anleger. Genauso wie die jüngsten Spekulationen, dass es sogar bald börslich gehandelte Fonds (ETF) auf Bitcoins geben könnte.

Für James McGowan sind Bitcoin die Quelle stetiger Einnahmen. McGowan ist ein sogenannter Miner, jemand, der Bitcoin-Transaktionen über seine Computer laufen lässt und sie damit selbst erzeugt. Erst vergangene Woche kaufte er sich mit seinen selbst erwirtschafteten Bitcoin einen neuen Laptop im Wert von 1.000 Dollar. Die Computer im Dauerbetrieb treiben jedoch die Stromrechnung nach oben. McGowan, der im Bundesstaat New Mexico wohnt, will deshalb bald Solarpanele aufs Dach montieren. 

In einer schlechten Woche generiere seine Anlage 250 bis 300 Dollar, in einer guten Woche bis zu 600 Dollar. Ein wenig erinnere ihn seine Bitcoin-Gewinnung an einen landwirtschaftlichen Betrieb. "Die Computer zu warten und die Bitcoin zu erstellen, ist wie Kühe versorgen und melken." Angesichts des Bitcoin-Kursanstiegs ist er versucht, in den Handel einzusteigen – trotz des Risikos. Er weiß auch schon, was er mit seinen potenziellen Gewinnen machen will: seine Studentenkredite abbezahlen.