Die türkische Wirtschaft ist mehr als ein Jahr nach dem Putschversuch wieder deutlich gewachsen. Laut dem türkischem Statistikamt stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2017 um 11,1 Prozent und ist damit so kräftig wie seit sechs Jahren nicht mehr gewachsen. Unmittelbar nach dem Putschversuch war die türkische Wirtschaft noch um 0,8 Prozent geschrumpft. Doch auch im Vergleich zur ersten Jahreshälfte habe sich das Wachstum mehr als verdoppelt, hieß es.

Ursächlich sind laut Statistikamt sowohl der private Konsum als auch Investitionen und Exporte. Ein besonders kräftiges Wachstum konnten demnach Dienstleister, die Baubranche und die Industrie verbuchen. Zuletzt profitierte die Türkei auch von Waffenexporten. Laut einem Bericht des Forschungsinstitut Sipri haben politische Spannungen und militärische Konflikte die globale Nachfrage nach Rüstungsgütern erhöht. Einige der umsatzstärksten Hersteller befinden sich demnach in der Türkei.

Die türkische Regierung hatte die Konjunktur zuletzt mit höheren Ausgaben, neuen Steuerregeln und einem Kreditgarantiefonds unterstützt. Im Gesamtjahr 2017 dürfte das Schwellenland nach den Worten des Entwicklungsministers Lütfi Elvan zwischen sechs und sieben Prozent wachsen, wie er dem Sender A Haber sagte. Die Weltbank geht von vier Prozent aus.

Politisch sind die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU seit Monaten angespannt. Die Bundesregierung hatte wegen der Inhaftierung von Deutschen in der Türkei wie dem Welt-Korrespondenten Deniz Yücel angekündigt, wirtschaftlichen Druck auf das Land ausüben zu wollen. Yücel sitzt seit Februar ohne Anklage wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft.