Der Aufsichtsratschef von Siemens, Gerhard Cromme, hat die geplanten Werksschließungen und den Stellenabbau des Unternehmens verteidigt. Er sei "fest davon überzeugt", dass der Kurs von Vorstandschef Joe Kaeser richtig sei, sagte Cromme der Süddeutschen Zeitung. Der Abbau von knapp 7.000 Jobs in der Kraftwerkstechnik weltweit und die geplante Schließung von Standorten seien unausweichlich. "Die Nachfrage ist dramatisch eingebrochen und wird nicht wieder das alte Niveau erreichen", so Cromme.

Wegen einer allgemein guten Lage könne ein solcher Abbau umgesetzt werden, meinte der Aufsichtsratschef. "Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird man uns hinterher Managementfehler vorwerfen", sagte Cromme dem Blatt. Zugleich kündigte er an, Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter finden zu wollen, die "unverdientermaßen in diese Situation" geraten seien. "Wir werden versuchen, ihnen zu helfen. Dafür werden wir konstruktive Gespräche mit den Betriebsräten aufnehmen", versprach Cromme. Das Unternehmen werde "alles daran setzen, um sozial verträgliche Lösungen zu finden".

Siemens hatte vor einem Monat angekündigt, weltweit 6.900 Stellen abbauen zu wollen – davon etwa die Hälfte in Deutschland. Der Münchner Konzern reagiert damit nach eigenen Angaben auf schlechter laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik.

Kaeser macht Görlitzern Hoffnung

Allerdings hatte Siemens mitten im Ringen um den Stellenabbau einen Großauftrag aus Russland erhalten. Der Auftrag über 380 Millionen Euro umfasst nach Konzernangaben drei Turbinen sowie Wartungsdienste über 13 Jahre.

Konzernchef Kaeser ließ nach einem Besuch des Siemens-Werkes im sächsischen Görlitz Entscheidungsspielraum erkennen. Er habe selten einen Standort erlebt, wo die Belegschaft so engagiert bei der Sache sei. "Es wäre echt schade, wenn der Standort verloren ginge, nur weil uns nichts Gutes gemeinsam einfällt", sagte er in der Tagesschau. Für den heutigen Donnerstag ist ein Treffen mit Sachsens neuem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) angesetzt.