Am Ende blieb den Demokraten nur Twitter, um ihrem Ärger über die Steuerreform der Republikaner Luft zu machen. Das Gesetz sei bis zum Schluss mit handschriftlichen Ergänzungen versehen worden und den Senatoren erst 25 Minuten vor der Abstimmung in der Kammer ausgehändigt worden, beschwerte sich etwa der Demokrat Jon Tester aus Montana in einem Video. Er und seine Kollegen sahen das Vorgehen als Teil eines Versuchs der Konservativen, umfassende Steuersenkungen vor allem für Unternehmen und Top-Verdiener durch den Kongress zu peitschen – abseits der Öffentlichkeit.

Dabei geht das Gesetz, das schließlich am frühen Samstagmorgen mit einer Stimme Mehrheit beschlossen wurde, weit über eine bloße Reform des Steuersystems hinaus. Das Gesetz, fasste die New York Times zusammen, sei ein "Rundumschlag" und verschaffe den Konservativen Siege in einer ganzen Reihe von Grabenkämpfen, die die Partei seit Jahrzehnten führe. Tatsächlich könnten die Beschlüsse der Republikaner die USA nachhaltig verändern – in mehreren Bereichen.

Gesundheitssystem

Unter Obamacare müssen Amerikaner, die sich gegen eine Krankenversicherung entscheiden, eine Strafe zahlen. Laut dem Entwurf der Senatoren soll diese Regelung wegfallen. Die Konservativen argumentieren, der Staat werde so rund 300 Milliarden Dollar einsparen, weil weniger Fördermittel an Versicherungen von Geringverdienern gezahlt werden müssten. Sie kritisieren die Regelung zudem als Paradebeispiel für einen Staat, der den Bürgern die Wahlfreiheit nehme.

Doch Ökonomen warnen vor den Folgen: Fällt die Versicherungspflicht weg und verzichten vor allem junge und gesunde Amerikaner auf eine Versicherung, stiegen die Prämien für die übrigen Versicherten. Das Congressional Budget Office schätzt, dass die Prämien in den kommenden zehn Jahren im Schnitt um zehn Prozent steigen und 13 Millionen Amerikaner aus dem Versicherungssystem drängen könnten. Das, so Experten, könne Obamacare nachhaltig schwächen.

Trennung von Kirche und Staat

Seit den Fünfzigerjahren dürfen Kirchen und andere religiöse Gruppen in den USA nicht mehr direkt für politische Zwecke spenden oder einen Kandidaten bewerben. Genauso lange kämpfen jedoch vor allem die Evangelikalen, deren Einfluss auf die Politik groß ist, für eine Aufhebung des Verbots. Sie sehen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt: Man wolle sich von der US-Steuerbehörde nicht vorschreiben lassen, wozu man sich von der Kanzel herab äußern dürfe.

Jetzt scheinen sie sich nach Jahrzehnten der Klagen durchgesetzt zu haben: Das Steuergesetz der Republikaner würde die Regelung aufheben. Gegner der Entscheidung befürchten, der Schritt könne die Trennung von Kirche und Staat weiter verwischen und den Einfluss mächtiger Interessengruppen vergrößern. Auch eine zweite Änderung im Steuergesetz wird als Sieg der religiösen Rechten gesehen: Laut Senatsentwurf können Eltern künftig steuerfrei für die Hochschulbildung ihrer ungeborenen Kinder sparen. Der Gesetzestext erkennt diese damit als vollwertige Lebewesen an – ein Schritt, für den sich Abtreibungsgegner seit Jahren einsetzen.