Die Weltbank hat Chile in einem Länder-Ranking für Unternehmerfreundlichkeit über mehrere Jahre hinweg zu schlecht eingestuft. Das geht aus einem Bericht des Wall Street Journal hervor.

Der Zeitung zufolge sagte Paul Romer, Chefökonom der Weltbank: "Ich möchte mich persönlich bei Chile und bei jedem anderen Land, von dem wir einen falschen Eindruck erweckt haben, entschuldigen." Die Weltbank werde die Veröffentlichungen der letzten vier Jahre neu berechnen und korrigieren, versprach Romer.  

Ranking beeinflusst Investitionen

Die scheidende chilenische Präsidentin Michelle Bachelet äußerte sich auf Twitter über die Enthüllungen. Was mit den Rankings der Weltbank geschehen sei, sei sehr beunruhigend und gefährde die Glaubwürdigkeit der Institution.

Ranglisten internationaler Institutionen müssten vertrauenswürdig sein, da sie Investitionsentscheidungen und damit die Entwicklung eines Landes beeinflussten, sagte die Präsidentin, deren vierjährige Amtszeit im März endet. Weiter sagte Bachelet, die chilenische Regierung werde eine rechtliche Untersuchung anfordern.

Das sogenannte Doing-Business-Ranking der Weltbank bewertet die Attraktivität verschiedener Länder für Unternehmer. Das Ranking ist eine der wichtigsten und öffentlichkeitswirksamsten Publikationen der Weltbank. Es beeinflusst nicht nur Investitionsentscheidungen, sondern auch das Verhalten von Regierungen weltweit. Kriterien für die Einstufung der Länder sind etwa Bedingungen für Kreditvergabe oder die Dauer der Vergabe von Baugenehmigungen an Firmen. Die ersten Plätze des Länder-Rankings belegten im vergangenen Jahr Neuseeland, Singapur und Dänemark. Deutschland lag auf Rang 20. Chile belegte Platz 55 – und lag damit 21 Plätze weiter hinten als im Jahr 2014, dem Jahr von Bachelets Amtsantritt.

Index suggeriert Schuld der Sozialistin

Nach den Daten der Weltbank erzielte Chile während der Zeit der Präsidentschaft von Sozialistin Bachelet immer schlechtere Plätze im Ranking. Während der Amtszeit ihres konservativen Vorgängers Sebastián Piñera war Chile dagegen aufgestiegen. Die Daten legten also den Schluss nahe, dass sich die wirtschaftliche Situation Chiles während Bachelets Amtszeit verschlechtert habe.

Weltbankökonom Romer gab gegenüber dem Wall Street Journal an, die wirtschaftliche Situation des Landes habe sich in diesem Zeitraum gar nicht verändert – lediglich die Methodologie für die Erstellung des Rankings sei eine andere. Die methodologischen Veränderungen erweckten den Anschein, politisch motiviert zu sein, sagte Romer und äußerte sein Bedauern über diesen Vorfall.

Verdacht auf Manipulation

Der chilenische Ökonom Augusto Lopez-Claros, der mit der Anfertigung des Rankings für Chile beauftragt war, soll den Vorwurf der Manipulation abstreiten. Die Veränderungen der Kriterien des Rankings seien seiner Aussage nach gerechtfertigt gewesen, Chiles schlechte Platzierungen seien auf ein besseres Abschneiden anderer Länder wie Mexiko oder Kolumbien zurückzuführen.

Die Weltbank kündigte am Samstag an, den Fall extern untersuchen zu lassen. Gleichzeitig betonte die Institution, dass die Rankings auf Steuer- und Gesetzgebungsdaten beruhten und als "objektive Daten keiner politischen Einflussnahme unterliegen".

Im Dezember hatte in Chile der ehemalige Präsident Sebastián Piñera die Wahl zum Präsidenten knapp gewonnen – gegen Michelle Bachelets Wunsch-Nachfolger Alejandro Guillier. Ex-Präsident Piñera hatte sich im Wahlkampf für eine Kürzung der Steuern für Unternehmen ausgesprochen, um die Wirtschaft zu stärken.