Der US-Senat hat die Nominierung von Jerome Powell als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank bestätigt und ist damit dem Vorschlag von US-Präsident Donald Trump gefolgt. 84 Senatoren stimmten für den 64-jährigen Powell, der im kommenden Monat den höchsten Wirtschaftsposten in der US-Regierung antreten soll. Die meisten Volkswirte erwarten, dass er die moderate Linie seiner Vorgängerin Janet Yellen mit vorsichtigen Zinsschritten fortsetzen wird.

Unter den 13 Senatoren, die gegen Powell stimmten, waren vier Republikaner, acht Demokraten und der parteilose Senator Bernie Sanders. Die Demokratin Dianne Feinstein hatte zunächst für Powell gestimmt, anschließend aber mit Erlaubnis ihre Stimme geändert. Senatorin Elizabeth Warren erklärte, sie habe gegen Powell gestimmt, da sie befürchte, er werde wichtige Regulierungen zurücknehmen, die hälfen, eine weitere Finanzkrise zu verhindern.

Umsichtig, ausgleichend, "nervtötend normal"

Politisch gilt Powell als den regierenden Republikanern nahestehend. Er war auch der Wunschkandidat von Finanzminister Steven Mnuchin. Powell ist bereits seit 2012 Mitglied im Board of Governors, dem Führungsgremium der Federal Reserve (Fed). Der Topdemokrat im Bankenausschuss des Senats, Sherrod Brown, bewertete die Wahl angesichts von Powells Jahren im Vorstand der mächtigen US-Zentralbank positiv: "Seine Erfolgsgeschichte der letzten sechs Jahre zeigt, dass er ein umsichtiger Entscheidungsträger ist."

Powell genießt den Ruf eines konsensorientierten Moderaten, der seine Entscheidungen gründlich abwägt und seine Worte sorgfältig wählt. Weggefährten beschreiben den Juristen als einen ruhigen, ausgleichenden Mann mit guten Manieren. Die Washington Post bezeichnete ihn als "nervtötend normal".

Offen für Deregulierung der Banken

Powell arbeitete als Anwalt und Investmentmanager und wird damit der erste Chef der Zentralbank seit 40 Jahren, der keinen höheren Abschluss im Wirtschaftsbereich hat. Trump hatte sich dagegen entschieden, Janet Yellen eine zweite Amtszeit anzubieten, sie gibt am 3. Februar ihr Amt ab. Es war das erste Mal in vier Jahrzehnten, dass dem Inhaber des Chefpostens der Fed keine zweite Amtszeit angeboten wurde. Trump betonte zwar, er halte viel von Yellen, wolle während seiner Präsidentschaft der US-Notenbank aber sein eigenes Profil verpassen.

Trump strebt vor allem eine Abkehr von den strengeren Regulierungen des Bankensystems an. Verankert sind diese im sogenannten Dodd-Frank-Act, einem Regelwerk als zentrale Lehre aus der Finanzkrise, in dem Banken mit Steuermilliarden vor dem Aus bewahrt wurden. Auch Powell hatte sich in letzter Zeit offen für eine Deregulierung gezeigt, und der ebenfalls von Trump installierte neue Vizechef der Fed, Randal Quarles, hatte jüngst signalisiert, dass die Fed manche Forderungen von Republikanern und Präsidialamt unterstützen könnte.