In den schlichten Dingen zeigt sich manchmal am besten, wie es dem Land gerade geht. Zum Beispiel, wenn man das kleine Café im Modehaus Maas betritt. Milchschaumgeräusche. Kaffeeduft. Die Gäste an der Theke bestellen den Kuchen des Tages. Einige schlendern vorbei an den wenigen Stühlen und Tischen hinüber zur Verkaufsfläche des Modegeschäfts, das sich an das Café anschließt. Accessoires und Taschen zur linken, zur rechten die junge Damenmode.

"Wir brauchen hier diese Anlaufpunkte", sagt Werner Maas, der Seniorchef des Modehauses, der an einem Tisch in seinem Bistro sitzt. "Wir müssen die Kunden ins Geschäft bringen, auch wenn sie erst einmal nur einen Kaffee trinken." Aus Maas spricht die Erfahrung eines langen Geschäftslebens, er führt den Betrieb in zweiter Generation. In den fast 100 Jahren Geschichte des mittelständischen Unternehmens hat sich dabei einiges verändert. Angefangen bei der Einkaufsstraße vor Tür des Geschäfts.

Apotheke und Optiker gibt es noch, auch Ketten wie Deichmann und Rossmann. Aber dazwischen klaffen einige Lücken, stehen Ladenlokale leer. Es ist das übersichtliche Zentrum der Kleinstadt Bassum mit seinen 16.000 Einwohnern, eine halbe Stunde südlich von Bremen gelegen, mitten auf dem platten Land. Entgegen aller Trends im Einzelhandel behauptet sich das Modehaus gegen die Konkurrenz aus dem Internet und die großen Filialisten. Es läuft sogar so gut, dass Maas zuletzt eine Menge Geld für einen Umbau ausgegeben hat. Einfach, um schöner zu sein für seine Kunden.

"Zweimal sechsstellig investiert"

Deutschland erlebt derzeit einen Konjunkturboom, wie es ihn lange nicht gegeben hat. Das zeigt sich auch im Einzelhandel – selbst wenn es die Läden auf dem Land schwer haben. Allein im ersten Halbjahr 2017 hat die Branche mehr als 20.000 neue Jobs geschaffen. Auch insgesamt wuchs die Wirtschaft um mehr als zwei Prozent im vergangenen Jahr, also deutlich stärker als erwartet. Und dieses Jahr soll es so weitergehen. Die Beschäftigung? Auf Rekordniveau. Die Reallöhne? Steigen. Und die Menschen geben ihr Geld für Konsum aus, für Autos und Häuser. Selbst die Unternehmen haben vergangenes Jahr endlich wieder kräftig investiert in Maschinen und Ausrüstung – wie das Modehaus Maas.

Der Juniorchef Michael Maas stößt zum Kaffee im Bistro dazu. Er ist vergangenes Jahres in die Geschäftsführung eingestiegen und hat den Umbau der Ladenfläche maßgeblich gestaltet. Maas, gerade 30, schwarze Blousonjacke, schwarze Slimjeans, führt aus dem Café auf die Verkaufsfläche. 2.400 Quadratmeter auf zwei Etagen, der Boden ausgelegt mit neuem fotorealistischem Teppich: Mal läuft man über Pflastersteine, mal über einen Sandstrand. An den Wänden Industriecharme und Metallregale. Aufgelockert wird die Einrichtung immer wieder durch Flohmarktteile: Samtsofas, Rüschenlampen, eine rostige Vespa auf drei Rädern. 

Michael Maas, Geschäftsführer des Modeshauses Mass © Zacharias Zacharakis für ZEIT ONLINE

"Wir haben zweimal sechsstellig investiert", sagt Maas. Er bleibt in der Herrenabteilung bei den Anzügen stehen, von der aus ein neu gestalteter Raum mit einer voll ausgestatteten Küche abgeht: darin ein langer Holztisch und ein wuchtiger Tresen. Hier lädt das Modehaus zu Gin-Tastings oder Craftbeer-Trinken ein. An Weihnachten wurden Kekse gebacken. "Wir müssen den Kunden etwas Neues bieten, das über den reinen Verkauf und die Beratung hinausgeht", sagt Maas. "Und die Menschen nehmen es dankend an, weil es hier sonst wenig gibt." Das vergangene Jahr sei erfolgreich verlaufen, das Unternehmen habe ein deutliches Umsatzwachstum im einstelligen Bereich verbuchen können. Auch weil sich Maas ständig neue Aktionen ausgedacht hat. "Wir müssen das angestaubte Image eines Modehauses aufbrechen", sagt er.

Viele Unternehmer in Deutschland erzählen dieser Tagen solche Geschichten. Kaum einer Branche geht es wirklich schlecht. Die für Deutschland wichtige Exportindustrie beispielsweise steuert 2017 auf das vierte Rekordjahr in Folge zu. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres wurden Maschinen, Autos und andere Waren im Wert von 1,18 Billionen Euro ausgeführt – ein Plus von mehr als sechs Prozent.