In die Arbeitszeitrechnung des IAB fließen also Angaben der Unternehmen und der Arbeitnehmer ein. Übrigens muss das Institut seine Berechnungen seit 2004 nach europaweit einheitlichen Regeln anstellen. Sie schreiben beispielsweise vor, dass auch unbezahlte Überstunden zu berücksichtigen sind. Vom Minijobber bis zur Führungskraft: Die Mehrarbeit von allen Arbeitnehmern steckt in dieser Statistik und damit in den 1,7 Milliarden Stunden, die von der Bundesregierung gemeldet wurden.

Wer macht die meisten Überstunden?

Doch etwa die Hälfte der Beschäftigten macht gar keine oder so gut wie keine Überstunden. Das ergibt sich aus dem Arbeitszeitreport Deutschland 2016 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Grundlage ist eine 2015 durchgeführte telefonische Befragung unter 20.000 Erwerbstätigen. Nur etwa jeder Zehnte muss dem Report zufolge regelmäßig mehr arbeiten als vereinbart.

Die Studie zeigt auch, dass Überstunden vor allem bei hochqualifizierten Vollzeitbeschäftigten anfallen, also zum Beispiel bei angestellten Juristen, die in einer Top-Kanzlei arbeiten. Ebenso kommen Überstunden in der Industrie häufiger vor als in anderen Wirtschaftsbereichen. Allerdings werden die Stunden hier auch viel öfter bezahlt. Im öffentlichen Dienst dagegen fallen die meisten unbezahlten Überstunden an.

Die Daten aus dem BAuA-Arbeitszeitreport decken sich weitgehend mit den Ergebnissen des Mikrozensus. Demnach werden vor allem die Überstunden von Beamten nicht bezahlt: Sie haben 2016 gut 61,5 Millionen Überstunden gemacht, 85 Prozent davon wurden nicht vergütet. Bei Angestellten – sie sind auf dem Arbeitsmarkt die größte Gruppe – fielen 639,7 Millionen Überstunden an, knapp zwei Drittel davon wurden nicht bezahlt. Am wenigsten unbezahlte Überstunden haben Arbeiter geleistet – von 123,2 Millionen Überstunden waren es nur 26,7 Prozent.

Außerdem zeigen die Daten aus dem Mikrozensus, dass die meisten Überstunden für hoch komplexe Tätigkeiten (38,5 Prozent), komplexe Spezialistentätigkeiten (17,7 Prozent) oder fachlich ausgerichtete Tätigkeiten (39,5 Prozent) anfallen – gut 96 Prozent der Überstunden werden also in Jobs geleistet, in denen Führungskräfte, Akademiker oder speziell ausgebildet Fachkräfte tätig sind.

Noch etwas fällt auf, und zwar in allen Erhebungen: Die meisten Überstunden werden von Menschen in einem befristeten Arbeitsverhältnis geleistet. Bei ihnen entfallen 1,7 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden auf die Mehrarbeit. Bei Mitarbeitern in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen sind es 1,5 Prozent, bei geringfügig Beschäftigten nur 0,8 Prozent.

Was ist von den Überstunden zu halten?

Für die Arbeitgeber ist die aktuelle Zahl der Überstunden kein Grund zur Sorge. Sie verweisen darauf, dass sie vor neun Jahren noch deutlich höher lag: bei zwei Milliarden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht das anders. Die Gewerkschafter haben die derzeit 1,7 Milliarden Überstunden auf  die Zahl aller abhängig Beschäftigten verteilt. Ihren Berechnungen zufolge hat jeder Arbeitnehmer im Jahr 2016 durchschnittlich 24 unbezahlte und 21 bezahlte Überstunden geleistet – zusammengerechnet ist das mehr als eine reguläre Arbeitswoche.