Außerdem berechnet der DGB den Wert der geleisteten Mehrarbeit: Dafür wird das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen in Höhe von 3.700 Euro bei Vollzeitarbeit zugrunde gelegt. Wer so viel verdient, hat einen Brutto-Stundenlohn von 23 Euro brutto. Multipliziert man diesen Wert mit der Anzahl der nicht vergüteten Überstunden, kommt man auf mehr als 20 Milliarden Euro. So viel hätten die Arbeitnehmer in Deutschland ihren Unternehmen an Arbeitsleistung geschenkt, sagt der DGB.

Die Gewerkschaften kritisieren, dass das Überstundenvolumen seit 20 Jahren deutlich über 1,5 Milliarden Stunden im Jahr liegt. Zugleich gibt es dem Statistischen Bundesamt zufolge in Deutschland ein ungenutztes Arbeitskräftepotenzial von 5,4 Millionen Erwerbspersonen. Theoretisch könnte man also viel Arbeit umverteilen, so wie Jutta Krelle es fordert. 

Atypische Arbeitszeiten nehmen zu

Natürlich ist das nicht einfach. Darüber nachzudenken aber lohnt sich – denn auch das zeigt der Blick in die Studien: Die meisten Beschäftigten geben an, dass die Arbeit in der vorgesehenen Zeit nicht zu schaffen sei. Und die Gewerkschaften stellen im jüngst veröffentlichten DGB-Index Gute Arbeit fest, dass jeder zweite Beschäftigte nach der Arbeit so erschöpft ist, dass er sich nicht mehr um private oder familiäre Angelegenheiten kümmern mag oder kann. Die BAuA konstatiert in ihren Untersuchungen sogar einen Zusammenhang zwischen überlangen Arbeitszeiten und einer schlechten Gesundheit.

Und noch etwas zeigt sich: Auch wenn die Zahl der Überstunden nicht zugenommen hat, sondern weitgehend konstant geblieben ist, so ist dennoch  die Zahl der Beschäftigten mit atypischen Arbeitszeiten gestiegen. Gut 1,7 Millionen Menschen haben einen Job mit überlangen Arbeitszeiten – das sind gut zehn Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Und ein knappes Viertel der 37 Millionen Beschäftigten hierzulande arbeitet ständig oder regelmäßig am Wochenende, knapp 14 Prozent an Sonn- und Feiertagen, knapp jeder Vierte abends und knapp neun Prozent nachts. Schichtarbeit gehörte für 15,6 Prozent zum Alltag.

Die Zahlen sind auch für das Arbeitsministerium ein Grund, vor den gesundheitlichen Folgen von atypischen Arbeitszeiten zu warnen.