Das Transpazifische Handelsabkommen TPP soll ohne die USA fortgesetzt werden. Das kündigte der kanadische Premierminister Justin Trudeau in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos an. Die verbliebenen Partnerstaaten hätten sich auf einen neuen Vertrag geeinigt, sagte Trudeau. Nach dem Rückzug der USA aus dem Abkommen soll es nun unter dem neuen Namen CPTPP fortgeführt werden. Daran beteiligt sein werden insgesamt elf Staaten, darunter Neuseeland, Australien, Vietnam, Chile, Japan und Singapur

Schon im November hatten sich die elf Staaten darauf verständigt, TPP beibehalten zu wollen. Das Handelsabkommen sollte rund um den Pazifik die größte Freihandelszone der Welt schaffen und ein Gegengewicht zu China bilden. Doch Trump kündigte das Abkommen kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2017 auf. Damals stellte er in Aussicht, auch das Freihandelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada neu verhandeln zu wollen. Dazu sagte Trudeau nun in Davos: "Wir sehen viel Skepsis gegenüber dem freien Handel weltweit." Seine Regierung bemühe sich, "unseren Nachbarn im Süden zu überzeugen, wie gut Nafta ist".

Unternehmen sollen Frauen stärker fördern

Bis Freitag kommen mehr als 3.000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft unter dem Motto "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zerrütteten Welt" in Davos zusammen. Das Motto war auch zentrales Thema in Trudeaus Rede: Der kanadische Premier sprach sich für eine gerechtere Welt aus und betonte dabei insbesondere die Rechte von Frauen. Unternehmen müssten Frauen einstellen, fördern und stützen, forderte Trudeau. Dies sei keine nette Geste, sondern es sei der richtige Weg für jedes einzelne Unternehmen und für wirtschaftliches Wachstum.

"Ich weiß, das Wandel schwierig ist", sagte Trudeau. Aber man dürfe nicht darauf hoffen, dass ein einzelnes Land mit gutem Beispiel vorangehe. Es gelte, gemeinsam voranzuschreiten um den Menschen zu helfen, die es wirklich nötig hätten: jenen, die nicht heute am Wirtschaftsforum in Davos teilnehmen "und es auch sonst niemals werden", sagte Trudeau.

Der kanadische Premier forderte, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, den Gender-Pay-Gap, zu überwinden und die gleiche Bezahlung für Frauen und Männer einzuführen. Dies sei aber nur der erste Schritt, sagte Trudeau. Denn Frauen hätten noch mehr Hürden zu überwinden. Sie arbeiteten häufiger in Teilzeit, würden häufiger für ihre Arbeit nicht entlohnt, sagte der Premier. Es sei notwendig, die Familienpolitik zu überdenken. Kanada habe dies unter seiner Regierung zu einer Priorität erklärt, seitdem habe die Wirtschaft enorm davon profitiert. Es lohne sich, Programme einzuführen, etwa für alleinerziehende Mütter und Familien mit mittleren Einkommen, sagte Trudeau. 

Zum Abschluss seiner Rede forderte der Premier auch eine kritische Auseinandersetzung mit der #MeToo-Debatte. Wenn Frauen von sexueller Belästigung berichteten, sei es notwendig, zuzuhören – und ihnen zu glauben. "Wir müssen zeigen, dass die Zeit wirklich um ist", sagte Trudeau. Es war ein Verweis auf die Golden-Globe-Verleihung, bei der Anfang Januar die #MeToo-Debatte und die #TimesUp-Initiative den Abend dominiert hatten. "Die Zeit ist um" war das Credo der Preisverleihung.

Merkel wird Netanjahu treffen

Eröffnet worden war das Weltwirtschaftsforum am Dienstag durch Indiens Regierungschef Narendra Modi. Er sprach sich in Davos für freien Welthandel, engere internationale Zusammenarbeit und den Abbau von Ungleichheiten aus. Man müsse die "Menschen miteinander verbinden, statt sie zu trennen", sagte Modi. Immer mehr Länder würden sich stärker auf sich selbst konzentrieren, das sei das Gegenteil von Globalisierung und eine "besorgniserregende Lage".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump werden in die Schweiz reisen. Die Kanzlerin wird am Mittwoch unter anderem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu treffen. Nach Angaben seines Sprechers werde es zu einem Einzelgespräch kommen, sagte Netanjahus Sprecher David Keyes.

Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland waren zuletzt belastet. Anfang vergangenen Jahres hatte Merkel offensichtlich aus Verärgerung über die israelische Siedlungspolitik die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen auf unbestimmte Zeit verschoben. Im vergangenen April hatte Netanjahu dann ein Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel kurzfristig abgesagt, weil der SPD-Politiker in Israel mit Vertretern regierungskritischer Organisationen gesprochen hatte. Gabriel will Netanjahu nun bei einem Israel-Besuch am 31. Januar treffen.

Mit Material von AP