Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Alpenort Davos mehren sich die Appelle zum Abbau sozialer Ungleichheit. Indiens Premierminister Narendra Modi sagte in seiner Eröffnungsrede, dass gesellschaftliche Distanzen und Risse überwunden werden müssten, sowohl national als auch international. "Eine Entwicklung verdient nur ihren Namen, wenn wirklich alle daran teilhaben dürfen", sagt Modi. Seine Regierung arbeite hart daran, etwa indem sie Menschen dabei unterstütze, zum ersten Mal in ihrem Leben ein Bankkonto zu eröffnen. 

Modi verwies damit auf die zentrale Agenda des Wirtschaftstreffens, das Thema in etlichen Diskussionen sein wird. Bis zu diesem Freitag kommen mehr als 3.000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft unter dem Motto "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zerrütteten Welt" zusammen. Erwartet wird auch eine Reihe von Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Emmanuel Macron. Zum Abschluss soll US-Präsident Donald Trump eine Rede halten.

Modi hob in seiner Ansprache auch auf die internationalen Beziehungen zwischen Staaten ab und dem Aufbau neuer Schranken etwa in Handelsfragen. Man müsse die "Menschen miteinander verbinden, statt sie zu trennen", sagte er. Immer mehr Länder würden sich stärker auf sich selbst konzentrieren, das sei das Gegenteil von Globalisierung und eine "besorgniserregende Lage".

Diskussion um Trumps Zölle

In seinen Aussagen liegt besondere Brisanz, da sich pünktlich zu Beginn des Wirtschaftsforums der Streit zwischen den USA und China um Handelszölle verschärft. US-Präsident Trump kündigte an, hohe Einfuhrzölle auf Solarpaneele und Waschmaschinen zu erlassen. Er setzt damit seine Amerika-zuerst-Agenda um.

Der einflussreiche Chef der Investmentgesellschaft Blackstone, Stephen Schwarzman, verteidigte auf dem Weltwirtschaftsforum die Handelspolitik Trumps. Chinas Importzölle seien bisher drei Mal so hoch wie diejenigen der USA. Schwarzman verwies auf das gewaltige Defizit der USA im Handel mit China, das Trump seit Langem stört. "Diese Beziehung muss sich ändern, sie muss angemessen sein", sagte er. "Die chinesischen Gesetze ähneln denen der USA aus dem 19. Jahrhundert, so gehen eben Schwellenländer ihren Weg."

Zuvor hatte der Gründer des Weltwirtschaftsforums die thematische Ausrichtung des Treffens vorgegeben. Die große Sorge der Wirtschaft momentan sei, dass ein "Wachstum ohne eine Erneuerung des Sozialvertrags nicht nachhaltig" sein könne. Viele Gesellschaften würden heute mit dem Wandel durch Globalisierung und Digitalisierung kämpfen. Diese Krise erfordere, dass die Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft entschlossen "das Fundament der Gesellschaft" erneuerten.