Der technologische Wandel hat es möglich gemacht, dass uns Maschinen, Software oder anderes Know-how bei der Arbeit unterstützen und so die Arbeitsproduktivität steigt. Wohlstand und Produktivität in Deutschland sind heute viel höher als früher, das Land erwirtschaftet also viel mehr Wirtschaftskraft als noch vor 50 Jahren.

Gleichzeitig nimmt jedoch der Anteil der gesamten Wirtschaftsleistung ab, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugutekommt. Der Anteil des Faktors Kapital steigt dagegen. Diese Verlagerung ist nicht überraschend: Größe und Wert des gesamten Kapitalstocks nehmen stetig zu, die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dagegen bleibt gleich oder schrumpft.

Der französische Ökonom Thomas Piketty erklärt das damit, dass Kapital eine höhere Rendite erzielt als Arbeit. Wenn die Vermögenseigentümer einen Teil dieser Rendite in den Aufbau von neuem Vermögen steckten, während die Arbeitnehmer die größten Teile ihres Einkommens zum Leben nutzten, nehme die Ungleichheit weiter zu.

Gerade Deutschland sticht heraus: Betrachtet man die privaten Vermögen, so weist es die höchste Ungleichheit in der Eurozone und eine der höchsten aller Industrieländer weltweit auf. 40 Prozent der Haushalte haben hierzulande praktisch überhaupt kein Nettovermögen, weil sie ihr gesamtes Einkommen für das tägliche Leben benötigen.

Der technologische Wandel verschärft die Entwicklung, weil die Rendite für Kapital im Vergleich zum Arbeitseinkommen noch stärker steigen wird. Das Resultat wird eine noch deutlichere Polarisierung bei Einkommen und Vermögen sein. Vom digitalen Wandel werden nur diejenigen profitieren, die Vermögen besitzen.

Wie steuert man dieser wachsenden Ungleichheit entgegen? Es kommt auf drei Elemente an:

Zum einen kann das Steuersystem Abhilfe schaffen, indem es Arbeitseinkommen steuerlich entlastet und Vermögen stärker belastet. Deutschland besteuert im internationalen Vergleich das Einkommen auf Vermögen ungewöhnlich gering, Arbeitseinkommen dagegen ungewöhnlich stark.

Es ist jedoch zweifelhaft, ob eine Steuer auf Vermögen langfristig die gewünschte Wirkung entfalten kann. Denn der Staat weiß viel zu wenig darüber, wer welche Vermögenswerte besitzt und was diese wert sind. Es gibt keine zuverlässigen Statistiken über Vermögen – und Unternehmen sind sehr kreativ in dem Bestreben, ihre Steuerlast zu minimieren.

Eine ungleich bessere Option ist, die Vermögen sehr viel gleicher innerhalb einer Gesellschaft zu verteilen. In der Vergangenheit gab es kooperative Unternehmensmodelle, bei dem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Anteil an ihrem Unternehmen hielten. Doch meistens sind sie gescheitert: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer waren oft nicht in der Lage, unternehmerische Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Ein Staatsfonds wäre dagegen eine bessere Option. Norwegen, Singapur, China und einige Länder im Mittleren Osten bauen so etwa Staatsvermögen auf und sichern es für künftige Generationen. Einige tun dies, um Erträge aus endlichen Rohstoffen zu sparen, wohl wissend, dass die Quelle ihres Wohlstands versiegen wird. Einige Staatsfonds investieren ihre Erträge so erfolgreich, dass diese hohe Renditen abwerfen. In Norwegen fließen etwa jedes Jahr Erträge des Staatsfonds in Höhe von knapp zwei Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in den öffentlichen Haushalt – und zugleich wird der Staatsfonds weiter ausgebaut. Zwei Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung würden in Deutschland 60 Milliarden Euro entsprechen, die für Ausgaben in Bildung oder Innovation zur Verfügung stehen würden.