Norwegen investiert vor allem in Technologieunternehmen weltweit. Das sichert Bürgerinnen und Bürgern eine Teilhabe am technologischen Fortschritt und der Digitalisierung. Der Staatsfonds unterliegt strikten, ethischen Auflage und investiert beispielsweise nicht in Rüstungsunternehmen oder umweltschädliche Aktivitäten.

Zwar hat Deutschland keine Rohstoffe für die Grundlage eines Staatsfonds. Aber es hat hoch produktive und gut gebildete Menschen. Viele dieser Menschen haben zu wenige Ersparnisse und werden im Alter große Probleme haben, weil private Altersvorsorge in Deutschland unterentwickelt ist.

Ein deutscher Staatsfonds könnte sich aus zwei Quellen speisen: aus privaten Ersparnissen und einer reformierten Erbschaftsteuer, die alle Erben gleich besteuert. Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 400 Milliarden Euro vererbt, die lediglich sechs Milliarden Euro Steuereinnahmen einbringen. Menschen mit Erbschaften bis 400.000 Euro zahlen im Durchschnitt mehr als zehn Prozent Erbschaftsteuer, solche mit mehr als 20 Millionen Euro nur knapp zwei Prozent. Eine einheitliche Erbschaftsteuer, die alle Erben nach Grundfreibeträgen mit zehn Prozent besteuert, wäre nicht nur fairer, sondern würde auch das Steueraufkommen mindestens verdoppeln.

Ein deutscher Staatsfonds könnte etwa in Unternehmen investieren. So würden die Bürger zumindest teilweise vom technologischen Wandel profitieren. Als Minderheitseigentümer könnte ein Staatsfonds etwa Einfluss auf das Verhalten mancher Technologiefirmen einnehmen. Das Ziel ist nicht, dass staatliche Stellen Entscheidungen für Privatunternehmen treffen. Aber eine Beteiligung an Schlüsselindustrien könnte dazu beitragen, dass etwa Firmen wie Google, die im Westen auf einen Marktanteil von mehr als über 90 Prozent kommen, langfristig im strategischen Interesse aller handeln.

Als Drittes braucht es eine grundlegende Änderung der Eigentumsrechte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Das erfolgreiche Geschäftsmodell von Google zeigt: Die Suchfunktion ist zwar kostenlos für jeden Nutzer und jede Nutzerin, aber Google wertet die Informationen über seine Nutzer aus, um Werbung individuell zu schalten und diese Informationen an andere Geschäftsbereiche und möglicherweise auch Unternehmen weiterzuleiten. Ohne diese Daten hätten Google und andere IT-Unternehmen kein Geschäftsmodell.

Folglich ist es im Sinne einer besseren Teilhabe nur logisch, die Eigentumsrechte an den individuellen Daten und Informationen an genau diese zurückzugeben – also an die Eigentümerinnen und Eigentümer im wahrsten Sinne des Wortes. Konkret bedeutet das: Google könnte die Daten weiterhin nutzen, müsste aber dem Einzelnen eine Nutzergebühr zahlen und dürfte auch nur zeitlich begrenzt darauf zurückgreifen.

In Europa dominiert aktuell weniger die Sorge um die Eigentumsrechte als vielmehr die Sorge um den Datenschutz. Sicherlich ist der Datenschutz wichtig, aber die Debatte greift hier zu kurz. Die Rückgabe der Eigentumsrechte an den einzelnen Menschen würde die Balance im Geschäftsverhältnis zwischen Unternehmen und Usern grundlegend ändern – und am Ende einer weiteren sozialen Spaltung entgegenwirken.