Die Finanzminister der 19 Euroländer haben eine Empfehlung für den Posten des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank ausgesprochen: Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos soll das Amt des stellvertretenden EZB-Chefs übernehmen.

Die Empfehlung für Guindos' Kandidatur werde beim Ministertreffen in Brüssel offiziell bestätigt, hieß es. Endgültig über die Personalie entscheiden werden die Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem Gipfeltreffen im März. Der aktuelle Vizechef der EZB, der Portugiese Vítor Constâncio, scheidet Ende Mai planmäßig aus dem Amt.

Für Deutschland ist die Entscheidung für den Spanier Guindos vor allem deshalb interessant, weil mit ihr die Chancen steigen, dass Jens Weidmann, der Chef der deutschen Bundesbank, im Herbst 2019 an die Spitze der EZB rückt. Es gilt als wahrscheinlich, dass im Fall der Wahl eines Südeuropäers zum EZB-Vize ein Vertreter aus dem nördlichen Europa dem derzeitigen EZB-Präsidenten Mario Draghi nachfolgt.

Aus dem Europaparlament wurde aus der Fraktion der Grünen Kritik an der Empfehlung für Guindos laut: "Ein direkter Wechsel aus der Eurogruppe in die Führung der EZB gefährdet die Unabhängigkeit der Zentralbank", sagte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher Sven Giegold. Guindos ist seit mehreren Jahren selbst Mitglied der Eurogruppe. Das Europaparlament hat kein Stimmrecht bei der Besetzung der EZB-Führungsposten.

Neben der Personalentscheidung besprachen die Finanzminister der 19 Staaten, die den Euro als Gemeinschaftswährung haben, zudem den Ausbau des Euro-Rettungsschirms ESM zu einem europäischen Währungsfonds. Der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus, Klaus Regling, sagte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, Europa müsse vorbereitet sein, für den Fall, dass es wieder einmal zu einer Krise komme.