ZEIT ONLINE: Herr Wey, Edeka hat laut Branchenberichten damit begonnen, Nestlé-Produkte aus dem Verkauf zu nehmen. Hintergrund soll ein Konflikt in den Preisverhandlungen sein. Wie schwerwiegend ist eine solche Blockade?

Christian Wey: Es ist schon sehr selten, dass ein Händler mit einem Hersteller in der Größenordnung von Nestlé einen solchen Konflikt eingeht. Der Abbruch einer Verhandlung wird als ein glaubwürdiges Signal an die Gegenpartei verstanden – man meint es ernst. Eine solche Auslistung bedeutet für Edeka natürlich, dass weniger Umsatz gemacht wird. Und das kann teuer werden. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass die Blockade lange dauern wird, dafür sind diese Marken für Edeka zu wichtig.

ZEIT ONLINE: Inwiefern wichtig?

Wey: Viele dieser Nestlé-Produkte sind sogenannte Must-have-Artikel und das heißt, dass Kunden nur in die Edeka-Filiale gehen, um eine dieser Marken zu kaufen, wie Wagner-Pizza oder Maggi. Für Edeka besteht damit die Gefahr, dass ihnen Kunden zur Konkurrenz abwandern. Und wenn jemand einmal dort ist, dann bleibt er womöglich auch dort.

ZEIT ONLINE: Weshalb streiten Supermarkt und Hersteller überhaupt?

Wey: Die Details aus den Gesprächen zwischen Edeka und Nestlé sind nicht bekannt, aber jeder Händler sieht natürlich, welche Preise die anderen Supermarktketten verlangen. Daraus kann er in etwa schließen, wie viel die Wettbewerber für dieselben Produkte beim Hersteller zahlen. Das wird in solchen Verhandlungen dann zum Problem, schließlich liegen die Argumente auf der Hand.

ZEIT ONLINE: Andererseits ist Edeka die größte Handelsmarke in Deutschland und hat eine enorme Einkaufsmacht. Ist man damit nicht automatisch im Vorteil?

Wey: Größenvorteile spielen im Handel eine wichtige Rolle, weil Kosten gesenkt werden können und dadurch Rabatte möglich sind. Aber der Größte bekommt nicht unbedingt immer den günstigsten Preis. In der Regel verschicken die Hersteller ihre Preislisten und wollen diese auch durchsetzen, der Handel aber nimmt diese Einkaufpreise nicht als gottgegeben an und möchte nachverhandeln. Hersteller gewähren manchmal Preisnachlässe, wenn sie bestimmte Artikel im Verkauf fördern wollen. Dann platzieren Händler diese Ware im Markt bevorzugt.

ZEIT ONLINE: Woher kommt dieser enorme Preisdruck im deutschen Lebensmittelhandel?

Wey: Die Gewinnmargen sind nicht besonders üppig, gerade durch den intensiven Wettbewerb mit den Discounter. Der Preisdruck ist immens. Nestlé ist zwar ein klassischer Markenanbieter, aber gerade durch die Eigenmarken der Discounter und der anderen Handelsketten geraten auch solche Anbieter stärker in Bedrängnis. Die Eigenmarken haben inzwischen ein recht gutes Ansehen, eine hohe Qualität und sind vergleichsweise günstig. Hinzu kommt, dass Aldi und Lidl auch Marken anbieten, nur eben günstig. Da kommt womöglich bei Edeka die Vermutung auf, dass die Discounter andere Einkaufspreise für diese Artikel zahlen. Darauf muss man dann reagieren.

ZEIT ONLINE: Geht es also um gleiche Bedingungen für alle?

Wey: Edeka hat in jüngster Zeit viel in seine Märkte investiert, das kann man als Verbraucher wahrnehmen. Und davon profitieren eben auch die Hersteller, schließlich ist Edeka ein klassischer Markenanbieter. Nun gibt es immer wieder die Diskussion, dass sich die Hersteller an diesen Kosten für Investitionen beteiligen sollen, zum Beispiel über den Einkaufspreis.