Venezuela hat als erstes Land der Welt seine eigene Version einer digitalen Währung eingeführt, den sogenannten Petro. Der Vorverkauf für die ersten 38,4 Millionen Einheiten startete am Dienstag, insgesamt will Venezuela 100 Millionen Petros ausgeben. Die Absicherung mit natürlichen Ressourcen soll der Währung Stabilität verleihen und Vertrauen schaffen – Venezuela verfügt zwar über die größten Ölreserven weltweit, steckt aber dennoch seit Jahren in einer desolaten wirtschaftlichen Situation.

Vizepräsident Tareck El Aissami sagte: "Der Petro wurde geboren. Heute ist ein historischer Tag." Doch der Schritt ist in erster Linie der Versuch eines Landes, dem der niedrige Ölpreis zu schaffen macht und das von den Sanktionen der USA hart getroffen ist, die eigene Wirtschaft neu zu beleben und die von den USA verhängten Sanktionen zu umgehen. Auch verspricht sich die Regierung von Präsident Nicolás Maduro Zugang zu den internationalen Finanzmärkten.  

USA warnen vor Kauf des Petro

Der Referenzpreis für einen Petro ist der aktuelle Preis für ein Barrel Öl, der derzeit bei rund 60 Dollar liegt. Am Wochenende hatte Carlos Vargas, der Kryptowährungsaufseher des Landes, gesagt, der Petro werde Investoren aus Katar, der Türkei und anderen Staaten des Nahen Ostens anziehen. "Europäer und Amerikaner werden ebenfalls teilnehmen."

Die USA warnen allerdings davor, Petros zu kaufen. Dies sei eine Verletzung der US-Sanktionen, weil es sich um einen Kredit für die venezolanische Regierung handele. Die im Sommer 2017 von US-Präsident Donald Trump verschärften Strafmaßnahmen verbieten es unter anderem, in neu ausgegebene Anleihen des Landes oder des staatlichen Ölkonzerns PDVSA zu investieren.

Maduro sieht den venezolanischen Bitcoin unterdessen als entscheidenden Schritt hin zum Ziel seines Vorgängers Hugo Chávez, die Dominanz des US-Dollars und der Wall Street im kapitalistischen Wirtschaftssystem zu beenden. Im Dezember sprach er von einem "Finanzkrieg", den die USA und ihre Alliierten gegen die Sozialisten angezettelt hätten.

Venezolaner nutzen schon heute Bitcoins

Kritiker geben indes zu bedenken, dass auch die Petros bisher nur in Dollar gekauft werden können. Die venezolanische Währung Bolívar hat angesichts einer vierstelligen Inflationsrate dramatisch an Wert verloren.

Manche Nutzerinnen und Nutzer von Bitcoin stehen auch der Möglichkeit ablehnend gegenüber, dass Einzelstaaten Kryptowährungen einführen, die ja eigentlich eingeführt wurden, um staatliche Kontrolle zu umgehen. Die Venezolanerinnen und Venezolaner nutzen bereits jetzt vielfach Bitcoins und andere digitale Währungen, etwa für Arztbesuche oder Reisen. Damit umgehen sie den entwerteten Bolívar und die Dollars, die sie sich nur auf dem Schwarzmarkt besorgen können.

Die Inflation trifft die unter Lebensmittelknappheit leidende Bevölkerung schwer. Die Opposition hat im vergangenen Jahr immer wieder mit Massenprotesten gegen Maduro mobil gemacht, dem sie den Aufbau einer Diktatur, Misswirtschaft und Korruption vorwirft. Mehr als 100 Menschen wurden getötet. Die Absicherung des Petro mit den Ölreserven kritisiert sie als illegal.