Gemeinsam einsam hängen sie da an einer Stange, die kleinen Figuren aus Kunststoff: der Eisbär neben dem Grüffelo, Bibi Blocksberg und Prinzessin Lillifee. Ihnen fehlt gewissermaßen das Zuhause, die Basis, über die sich ihre Hörspiele und Kinderlieder abspielen ließen. Denn die sogenannte Toniebox, ein weich gepolsterter Würfel, der Audiodateien über WLAN herunterlädt und abspielt, ist in diesem Berliner Kaufhaus nirgends zu sehen. Mütter und Väter suchen sie derzeit im Handel vergeblich, sie ist seit Monaten ausverkauft.

"Tonieboxen", ruft der Verkäufer lachend, "da kommen wir schon seit Weihnachten nicht mehr hinterher! Als die Leute von dem Hype hörten, haben sie die Dinger in Massen gekauft und verkaufen sie jetzt teuer im Internet." 1,2 Millionen Figuren hat das Unternehmen Boxine im vergangenen Jahr verkauft und 148.000 Tonieboxen. Aber es hätten noch gut 30.000 Stück mehr sein können, sagen die Erfinder der Box, Patric Faßbender, 47, und sein Partner Marcus Stahl, 50.

Gerade sitzen die beiden im Auto, sie sind unterwegs zu einem Termin mit Geschäftspartnern in Hamburg. Verträge und Lizenzen in ganz Deutschland, das erledigt die Doppelspitze des Unternehmens immer noch gemeinsam, im "rollenden Büro", wie sie sagen. Aus den beiden Vätern, die sich im Vorstand einer Düsseldorfer Kita kennenlernten, sind in den vergangenen viereinhalb Jahren enge Freunde geworden. Über die Freisprechanlage erzählt Patric Faßbender von seiner Idee, mit der er seinen heutigen Geschäftspartner damals überzeugte.

Keine zerkratzten CDs

Der Grafikdesigner Faßbender wollte vor einigen Jahren beruflich etwas Neues ausprobieren. Die passende Idee dazu kam ihm durch seine beiden Töchter. Sie waren damals drei und fünf Jahre alt und liebten Hörspiele. Doch Faßbender wollte ihnen nicht länger ein iPad in die Hand drücken oder zerkratzte CDs aus dem CD-Player holen. Stattdessen sollte seine Erfindung robust sein und ohne Display. Denn so würden die Kinder beim Spielen nicht unnötig abgelenkt. Sie sollten sich auf das Hörspiel allein konzentrieren.

Marcus Stahl war von dem Konzept begeistert: Der Ingenieur brachte das nötige Fachwissen mit, was Technik und Zahlen angeht. Die beiden gründeten die Firma Boxine. Faßbender entwickelte erste Prototypen, eine Freundin übernahm die Polsterung der Box. Als erster Dummy stand der kleine Hund Struppi auf der Box, aus dem Kinderbuchklassiker Tim und Struppi. Die Geschichten hatte Faßbender in seiner Kindheit so gern gehört.

Das Startkapital brachten die Gründer aus ihrem Ersparten auf. Ohne Risikokapitalgeber, aber mit Unterstützung aus dem Bekanntenkreis: "Da wir beide über 40 waren, hatten wir zum Glück genügend solvente Freunde", sagt Stahl. Die beiden Väter wählten ihre Investoren strategisch aus. Zu den Gesellschaftern gehört heute etwa der Oetinger Verlag, der sich mit der Investition einen neuen Vertriebsweg erschließt und gleichzeitig seine Erfahrungen mit Hörbuchrechten einbringt. Eine Kanzlei kümmert sich um Patente und den Schutz des geistigen Eigentums und hält dafür Anteile am Unternehmen.

Außerdem ist Paul Kraut unter den Investoren. Der frühere Eigentümer des mittelständischen Unternehmens Schleich hat Erfahrung mit Spielfiguren, seine frühere Firma ist bekannt für naturgetreue Tiernachbildungen aus Hartgummi, die inzwischen selbst in Baumärkten an der Kasse verkauft werden. In einer Spielfigurenfabrik seiner Familie in Tunesien werden nun auch die Tonies gefertigt. Sie kosten zwischen 11 und 16 Euro. Die Boxen werden in China hergestellt und kosten zusammen mit einer Figur 79,95 Euro.