"Amerikanische Energiedominanz", davon schwärmt US-Präsident Donald Trump gern bei öffentlichen Auftritten. Seit einem Jahr macht er alles dafür. Im vergangenen Frühjahr hatte Trump den Weiterbau der umstrittenen Öl-Pipeline Keystone XL genehmigt, die von Kanada aus bis an den Golf von Mexiko verläuft und pro Tag 830.000 Barrel Öl pumpen soll. Diesen Januar gab die Regierung bekannt, die Küstenregionen des Landes für Öl- und Gasgewinnung freizugeben. Der Fünfjahresplan sieht vor, mehr als 400 Millionen Hektar für Bohrungen zu öffnen. 45 Milliarden Barrel sollen dort nach Schätzungen des zuständigen Bureau of Ocean Energy Management lagern.

Selbst in der Antarktis und entlang der Atlantikküste will Trump Bohrtürme sehen. Bislang sind dort gerade sechs Prozent der Gebiete für Bohrungen freigegeben. Trump will die Zahl auf 90 Prozent steigern. Auch strenge Sicherheitsforderungen will er kassieren: Höhere Standards, die seit der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon 2010 in Kraft waren, sollen nach Vorstellung der Regierung zurückgefahren werden.

Trump geht sogar für seine America-First-Strategie auf internationale Werbetour: Im vergangenen Sommer besuchte er seinen polnischen Amtskollegen Andrzej Duda, um Polen davon zu überzeugen, einen jahrzehntealten Liefervertrag mit dem russischen Staatskonzern Gazprom nicht zu erneuern. Nie wieder solle Polen zur "Geisel" eines einzigen Anbieters werden. Sechs Monate später hat die Regierung in Warschau nun die Abkehr von Gazprom ab dem Jahr 2022 beschlossen. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollen mittelfristig Erdgas, Öl und Kohle aus den USA kommen und nicht mehr aus Russland.

Trump, der Mann des Öls. Es ist die komplette Abkehr von der Politik seines Vorgängers. Auch Barack Obama hatte zwar anfangs vor, die Bohrungen vor den US-Küsten deutlich auszuweiten. Nach dem Deepwater-Horizon-Unglück im Jahr 2010 ließ er die Idee allerdings fallen. Im Jahr 2015 stoppte er auch den Bau der Keystone-Pipeline und versuchte, sein politisches Erbe zu bewahren: In den letzten Wochen seiner Amtszeit verbot Obama per Dekret Bohrungen in weiten Teilen der Antarktis und der Atlantikküste.

"America First" – "Fossil First"

Die neue Fossil-First-Strategie mag für Applaus bei Trumps Wählern sorgen, gerade in Ölstaaten wie North Dakota. Aber Ökonomen und Energieexpertinnen sind extrem skeptisch angesichts der neuen, zusätzlichen Mengen Öl, die auf den Markt kommen sollen. Die Energiebranche steckt in einer unsicheren Phase. Nur langsam erholt sie sich von einer lang anhaltenden Krise am Ölmarkt, in der der Preis kurz sogar auf unter 30 US-Dollar je Barrel gesunken war. Der Preiskrieg im Ölkartell Opec hat manche Staaten an den Rand des Konkurs getrieben. Zuletzt haben sich die Preise zwar wieder stabilisiert, das Barrel kostet erstmals seit 2014 wieder mehr als 70 Dollar.

An den Märkten ist aber die Sorge groß, dass ein zu starker und schneller Anstieg der Produktion die noch schwache Erholung ausbremst, zumal die Reserven noch immer groß sind. Das könne zu einer Situation führen, in der wie vor vier Jahren eine Flut an amerikanischem Öl zu einem massiven Überschuss geführt habe und die Preise habe einbrechen lassen, warnt die Internationale Energieagentur.