Trump unterstützt mit seiner aktuellen Energiepolitik eine Branche, die mit Skepsis auf all die neuen Wohltaten aus Washington reagiert. Dank neuer und effizienterer Technologien wie Fracking boomt die heimische Produktion auch ohne neue Zulassungen. Erstmals seit 1970 produzieren die USA wieder mehr als zehn Millionen Barrel am Tag. Bis November 2019 könnte die Produktion nach Schätzungen der Energy Information Agency erstmals über elf Millionen Barrel pro Tag steigen: Damit würden die USA sogar Saudi-Arabien als weltgrößten Produzenten ablösen.

Der neue amerikanische Ölüberfluss hat weltweite Folgen: Die Importe aus Saudi-Arabien sind mit knapp einer Million Barrel pro Tag so niedrig wie seit 2009 nicht. Und die US-Exporte steigen, inzwischen auf zwei Millionen Barrel am Tag. Im Jahr 2015 hatte die US-Regierung das Exportverbot für amerikanische Ölkonzerne aus den 1970er-Jahren aufgehoben. Bis die USA allerdings ein Nettoexporteur sind, meinen Experten, sei der Weg noch weit, zu unsicher sei die Preisentwicklung. Eines aber ist sicher: Die Importe aus Krisenregionen wie Irak und Kuwait gehen stetig zurück.

Neue Förderlizenzen kaum gefragt

Erdölfirmen halten sich mit neuen Investitionen zurzeit zurück. Eine Förderlizenz in Alaska erhielt bei einer Versteigerung im Dezember gerade einmal sieben Gebote. Am Ende wurden 416 Quadratkilometer für 1,16 Millionen Dollar versteigert. Im Jahr 2016 hatten die Firmen dort für 1.850 Quadratkilometer noch 18 Millionen Dollar gezahlt. Die Branche ist sich einig: Lieber schöpft sie bereits bestehende Förderstätten an Land weiter aus, als neue, riskante Investments zu wagen – auch weil eine neue Regierung vielleicht wieder striktere Auflagen verabschieden könnte. Das Bureau of Ocean Management verweist darauf, dass von den 45 Milliarden Barrel in den neu geöffneten Regionen weniger als die Hälfte ökonomisch sinnvoll erschließbar seien, während bereits bestehende Gebiete Reserven bereit hielten.

Auf Widerstand stößt Trumps "Drill, baby, brill"-Ansage auch in den Bundesstaaten. Gleich 15 Gouverneure äußerten in den vergangenen Wochen offen Kritik an dem Vorhaben, neue Förderungen an den Küsten zu erlauben. Die demokratisch regierten Westküstenstaaten Kalifornien, Oregon und Washington kündigten an, "alles zu tun", um die Freigabe ihrer Küstengewässer zu stoppen. Selbst der republikanische Senator aus Florida, Marco Rubio, will neue Bohrtürme vor seiner Küste verhindern. Am Ende könnten auch Gerichte eine wichtige Rolle spielen: Vor wenigen Tagen reichten mehrere Umweltorganisationen Klage gegen die Fortführung der Keystone-Pipeline ein. Sie argumentieren, die Regierung habe den Prüfungsprozess unrechtmäßig abgekürzt und sich auf veraltete Daten gestützt.

Russland verliert

Fachleute warnen die US-Regierung, dass sie mit der Öloffensive vor allem das Verhältnis zu Moskau verschlechtere, dem bislang weltgrößten Produzenten von Erdöl. Wichtige Kunden wenden sich bereits von Moskau ab: China, wichtiger Abnehmer von Öl aus Russland und Saudi-Arabien, ist bereits jetzt der zweitgrößte Importeur von amerikanischem Erdöl. Litauen hatte im August eine erste Öllieferung aus den USA erhalten und den Schritt als "wegweisend für die gesamte Region" bezeichnen. Im schlimmsten Fall, fürchten Analysten, könne es zu einem Preiskampf zwischen den USA und Russland kommen. "Unser Verhältnis mit Russland ist ohnehin schwierig", sagt Amy Myers Jaffe, Energieexpertin beim Council on Foreign Relations, einem Thinktank in Washington. "Jetzt nehmen wir ihnen ihr wichtigstes Druckmittel".