Die Idee der Tafeln ist schnell erklärt: Zu viele Lebensmittel landen in Deutschland auf dem Müll, obwohl sie genießbar wären. Und zu viele Menschen haben nicht genügend Geld, um sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Die meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafeln – 60.000 Ehrenamtler sind es insgesamt – sammeln übriggebliebene, abgelaufene Lebensmittel in den Läden ein und geben sie denen, die sie brauchen.

Darüber hinaus bieten manche Tafeln zusätzliche Leistungen, zum Beispiel Kita- und Schulfrühstücke, Hausaufgabenbetreuung, Deutschunterricht für Flüchtlinge, Seniorentreffen, Schuldnerberatung und Beratungen für Arbeitslose und Migranten. Die Tafeln wollen die Bedürftigen nicht nur finanziell entlasten, schreibt der Dachverband im Netz, sondern auch "als Orte der Begegnung einen Rahmen für soziale Teilhabe" schaffen

Wie viele Tafeln es an einem Ort gibt, hänge nicht nur von der Anzahl der Bedürftigen dort ab, sagt Stefanie Bresgott, Sprecherin des Dachverbands der Tafeln – sondern auch davon, ob sich ehrenamtliche Helfer fänden, die bereit seien, mit anzupacken, und von der lokalen Supermarktstruktur. Die meisten Tafeln gibt es im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen, in Bayern und Baden-Württemberg.

Der Nachfrage nimmt zu

Die erste Tafel wurde vor 25 Jahren in Berlin gegründet. Heute gibt es in ganz Deutschland 934 Tafeln, die zusammengenommen mehr als 2.100 Läden und Ausgabestellen betreiben. Eine Tafel kann als eingetragener Verein organisiert sein oder von einer gemeinnützigen Organisation wie zum Beispiel Diakonie und Caritas getragen werden. Manche Details ihrer Arbeit legt jede Tafel selbst fest – etwa, ob sie die Lebensmittel kostenlos ausgibt oder einen symbolischen Preis dafür verlangt.

Die Tafeln legen Wert darauf, dass ihr Angebot keine Grundversorgung mit Nahrungsmitteln, sondern nur eine Ergänzung ist. Sie könnten die Armut lindern – aber die Politik, so fordern sie, müsse grundsätzlich etwas gegen die Not unternehmen. So verlangen die Tafeln beispielsweise "armutsfeste Löhne" sowie "eine bedarfsgerechte Erhöhung der ALG-II-Regelsätze oder eine kostenlose Mittagsverpflegung für Kinder".

Zusammen versorgen die Tafeln eigenen Angaben zufolge regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Bedürftige – Langzeitarbeitslose, Aufstocker, Rentner, Alleinerziehende, Migranten – mit Obst, Gemüse, Wurst, Milch- und Backwaren. Die Kundinnen und Kunden müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen. In der Regel geschehe das durch ein behördliches Schreiben, das bestätigt, dass sie öffentliche Leistungen erhalten, erklärt Tafel-Sprecherin Stefanie Bresgott.

Wer geht zu einer Tafel?

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Unterstützten stark gestiegen – im Jahr 2007 verteilten die Tafeln Lebensmittel an 700.000 Menschen. Die Menge der Lebensmittelspenden steigt dem Verband zufolge auch, "aber nicht in der Geschwindigkeit, in der die Nachfrage steigt". Bresgott sagt: "Die Tafeln arbeiten am Limit. Unsere Helfer können nicht allen helfen, die berechtigt wären." Am großen Bedarf ändere der aktuelle Wirtschaftsboom nichts.

Denn wer zur Tafel geht, gehört zu den Personengruppen, die in Deutschland seit Längerem besonders von Armut bedroht sind – und so gut wie nichts vom Wachstum spüren. Dem Dachverband zufolge sind etwas mehr als die Hälfte der Unterstützten bedürftige Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, zum Beispiel Langzeitarbeitslose. 19 Prozent sind alleinerziehend, und je 23 Prozent sind Rentner sowie Kinder und Jugendliche. Vor allem die große Zahl von bedürftigen Kindern und Jugendlichen betrachtet man bei den Tafeln mit Sorge.