Für Theresa May ist alles ganz einfach: Die Briten wollen mit der EU das umfangreichste Freihandelsabkommen der Welt abschließen und dabei die Freiheit genießen, für jede Branche ihres Landes das individuell Beste herauszuholen. "Wenn das als Rosinenpicken bezeichnet wird, dann ist das so", sagte die britische Premierministerin Anfang der Woche. Aber dann sei jedes andere Freihandelsabkommen auch Rosinenpicken.

Die EU hat nun klargemacht: So wird es nicht gehen. Das von den Briten vorgeschlagene Konzept sei völlig ausgeschlossen, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Die Briten müssten sich auf ein ganz normales Freihandelsabkommen einstellen, das keine Finanzdienstleistungen beinhalte. "Es wird das erste Freihandelsabkommen der Welt sein, das schwächere Handelsbeziehungen zur Folge haben wird", sagte Tusk. "Wir werden uns voneinander fortentwickeln."

Aber worum geht es konkret? Großbritannien stellt sich nach dem EU-Austritt ein Handelsabkommen mit der Union vor, das – grob gesagt – auf drei Ebenen fußt:

1. Voller Marktzugang

Im Güterhandel strebt die britische Regierung einen vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt an. Das heißt: London ist bereit, alle EU-Regulierungen und Vorschriften zu übernehmen – heute und auch in Zukunft. Eine ähnliche Regelung existiert bereits zwischen der EU und der Schweiz. Sie erfordert aber, dass die Schweiz ihre Gesetze und Vorschriften permanent an die EU anpasst. Der bürokratische Aufwand ist groß und die Kosten sind hoch. Nach Ansicht des EU-Parlaments wären aber trotzdem Zollkontrollen notwendig, da überprüft werden müsse, ob die Vorschriften auch eingehalten werden.

In der Pharma- und Chemiebranche sowie im Flugzeugbau möchte Großbritannien in die entsprechenden EU-Agenturen (Europäische Chemikalienagentur und REACH, Europäische Arzneimittelagentur und Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA) eingebunden sein, für sie zahlen und ein Mitspracherechte erhalten. Donald Tusk lehnt das ab. Auch andere Drittländer hätten keinen solchen Zugang, argumentiert der EU-Ratspräsident. Die EU hat bisher mit Blick auf die EU-Agenturen nur Kooperationsabkommen abgeschlossen, die zeitlich befristet sind. Die Schweiz hat beispielsweise eine entsprechende Übereinkunft mit der EU gefunden. Das Land muss für den Marktzugang zahlen und hat kein Stimmrecht. Die EU prüft zudem regelmäßig, ob sich die Schweiz an alle Regeln hält. Macht sie das nicht, kann Brüssel einseitig eingreifen und den Marktzugang einschränken.

2. Kompletter Austritt aus dem Binnenmarkt

In der Fischerei wollen die Briten den EU-Binnenmarkt vollständig verlassen. Sie fühlen sich ungerecht behandelt und wollen die Fischbestände in ihren Gewässern nicht mehr über die festgelegten EU-Quoten mit anderen Staaten teilen. Die Hoffnung: Über ein ganz neues Abkommen mit der EU wollen die Briten höhere Quoten für die eigene Fischereiflotte aushandeln, ähnlich wie Norwegen.

Auch in der EU-Agrarpolitik wollen die Briten ausscheren, unter anderem um die Subventionen an Landwirte anders zuzuteilen, als dies die EU-Regeln vorschreiben. Nach den Regeln der EU werden die Subventionen je nach Größe der Agrarfläche verteilt. Dies führt in Großbritannien aber dazu, dass manche Großgrundbesitzer immer reicher werden und gleichzeitig viele Kleinbauern zu kurz kommen.

Wollen die Briten ihre Lebensmittel aber weiterhin in der EU verkaufen, müssen sie alle Vorschriften zu Qualität und Sicherheit von Agrarprodukten einhalten. Sollten die Briten das zusichern, bedarf es aber trotzdem Grenzkontrollen, um die Einhaltung zu überprüfen. Schwierig wird dies an der Grenze zwischen Irland und Nordirland. Hier sieht das Friedensabkommen von 1998 eine grüne Grenze ohne Kontrollen vor.